HIV AIDS Infos Online
     

     
      Ausgabe 27
        Jahrgang 10
      März 2005
     
     
    Inhaltsverzeichnis Homepage der Praxis


    Vorbemerkung
    Impressum
     
     
     
     


     
     
     

    Gesamtzahl stagniert: Keine Entwarnung bei HIV/AIDS in Deutschland
    HIV-infizierte Zellen zerstören sich selbst
    Schweizer NGO hoffen auf liberaleren Papst
    Orale Candidiasis als Hinweis auf immunologisches Versagen unter HAART
    Internisten warnen vor neuen HIV-Infektionen
    Trivalenter HIV-Impfstoff getestet
    AIDS-Bekämpfung muss für alle Staaten vorrangig sein
    HIV-Therapie muss auch gut immunologisch wirksam sein
    Neuer Aids-Test ermittelt Zeit und Ort der Infektion
    Forschende Arzneimittelhersteller versorgen AIDS-Patienten in der Dritten Welt
    Neues HIV nutzt ungewöhnliche Infektionswege
    Erkrankung mit heimlicher Ansteckung
    Zwangstest für Gastronomie-Angestellte
    Patient mit multiresistenter HIV-Form
    HIV-Medikamente im ZNS
    Herzinfarkt-Inzidenz steigt mit Dauer einer HAART
    HAART verhindert viele Krebserkrankungen bei HIV-Patienten
    Steigende HIV-Inzidenz infolge heterosexuellen Geschlechtsverkehrs
    HIV-Infizierte Eltern meiden Körperkontakt mit ihren Kindern
    Keine Neugeborenen in Henan mit AIDS-Virus infiziert
    Australische Wissenschaftler entwickeln neue Methode im Kampf gegen HIV
    Neues zum "Super-AIDS-Virus"
    Nein der USA zu Spritzentausch behindert AIDS-Arbeit der UN
    Nieren-Monitoring bei Leukozyturie unter Indinavir
    Aids belastet staatliche Krankenkasse
    Die Erfolgsbilanz von HAART
    CD4 und VL als Surrogatmarker zuverlässig
    Experimentelle HIV-Präparate an der CROI
    HIV/AIDS bedroht menschliche Sicherheit
    Virologen bringen HI-Virus zum Leuchten
    HIV-Infektionen werden in Österreich oft zu spät erkannt
    Unsichere Injektionen kein maßgeblicher Grund für HIV-Infektion
    Ein Moment, der das ganze Leben verändert
    Neuer Wirkstoff schützt Zellen vor HIV
    "Gefahr aus dem Großstadt-Dschungel", "Super-AIDS" oder Panikmache?
    Klinische Erprobung eines Impfstoffs gegen HIV/AIDS
    Schwankungen der HIV-Werte kein Anlass zur Besorgnis
    Suche nach Sex-Partnern des HIV-Infizierten
    Fotos, die den Alltag von HIV-Infizierten widerspiegeln
    Unschädlich gemachtes HIV kann Krebszellen zerstören
    Medikamentenresistenter HI-Virus in New York entdeckt
    Forderung nach allgemeinem HIV-Screening von Erwachsenen
    Kassen blocken Off Label Use bei Aids
    Unbürokratischer Zuzahlungsnachweis für schwerwiegend chronisch Kranke
    Geschlechtskrankheit LGV in Europa aufgetaucht
    Verschwörungstheorien stören effiziente Bemühungen HIV/AIDS zu stoppen
    Pegasys für Hepatitis- und HIV in EU zugelassen
    Höhere Adhärenz unter drei NRTIs
    Trivalenter HIV-Impfstoff bei 1.500 Menschen getestet
    Buchtipp: Stricher
    Prädiktoren für Resistenzmutationen nach Initiierung einer HIV-Tripletherapie
    Beschnittene Männer: Seltenere HIV-Ansteckung
    Unternehmen: Kaum Reaktion auf HIV/Aids
    Höhere Aggressivität hepatozellulärer Karzinome bei HIV-Positiven
    USA empfehlen vorbeugende Aids-Behandlung
    Verbesserung der Lipoatrophie und Verlangsamung der Fettapoptose
    Malaria und HIV-Infektion verstärken sich gegenseitig
    Proteasehemmer erhöht die Triglyzeride und das HDL
    «Geht HIV uns Ägypter etwas an?»
    Afrikanische Holzfällercamps als Aids-Herd
     
     
     
     
     
     
     
     
     

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    Vorbemerkung
     
    Die HIV AIDS Infos sind eine Zusammenstellung aus Internetquellen, Mail- und Newsgroups und erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Monaten. Die einzelnen Artikel sind mit einem Link auf die Orginalartikel versehen und chronologisch geordnet. Es wir auf diese Weise schnell über neue Entwicklungen und Änderungen in den Bereichen Epidemiologie, medizinischer Behandlung, ambulanter Pflege und psychosozialer Beratung bei HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung informiert. Die HIV AIDS Infos erscheinen in regelmäßigen Abständen und informieren interdisziplinär über Änderungen und Neuerungen auf dem Gebiet von HIV und AIDS.

     

    Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Gesamtzahl stagniert: Keine Entwarnung bei HIV/AIDS in Deutschland

    Die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen ist im Jahr 2004 nach dem neuen HIV/AIDS-Halbjahresbericht des Robert Koch-Instituts mit knapp 2.000 Fällen gleich bleibend hoch. Allerdings hat sich bei Männern, die Sex mit Männern haben, die bereits in den letzten Jahren beobachtete Zunahme weiter fortgesetzt.

    Die Zahl der HIV-Erstdiagnosen ist in dieser Gruppe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6 % angestiegen. Bei Syphilis stieg die Zahl der gemeldeten Fälle auf 3.345 im Jahr 2004 (von 2.934 im Jahr 2003), auch hier ist der Anstieg bei der Gruppe der Männer mit gleichgeschlechtlichen Kontakten besonders deutlich. Das Schutzverhalten der sexuell aktiven Menschen ist nach der neuen Repräsentativerhebung "AIDS im öffentlichen Bewusstsein 2004" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einzelnen Gruppen schlechter geworden.

    Zwar verhüten die unter 45-jährigen Alleinlebenden weiterhin auf hohem Niveau, aber das Schutzverhalten ist generell rückläufig, auch in Risikosituationen. Benutzten beispielsweise zu Beginn einer neuen Beziehung im Jahr 2000 noch 78 Prozent Kondome, so sind es 2004 nur noch 70 Prozent. "Diese Entwicklungen zeigen, dass differenzierte Datenanalysen sowie zielgruppengenaue Aufklärungskonzepte notwendig sind", betonen Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts und Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

    Bislang werden für das Jahr 2004 insgesamt 1.928 HIV-Neuinfektionen gemeldet, 2003 waren es 1.979. Männer, die Sex mit Männern haben, stellen mit knapp 47 Prozent die größte Betroffenengruppe. Auffällig an der Altersverteilung bei dieser Gruppe ist die Zunahme der Erstdiagnosen bei den 30- bis 49-Jährigen. "Das ist beunruhigend, weil es sich dabei um Menschen handelt, die vor allem in den Achtzigerjahren das durch HIV/AIDS verursachte Leid in ihrem Umfeld selbst erfahren haben und bisher über einen längeren Zeitraum eine HIV-Infektion vermeiden konnten", unterstreicht Reinhard Kurth. "Besondere Sorge bereitet uns auch der wachsende Therapieoptimismus, der viele Menschen dazu verleitet, das HI-Virus nicht mehr als gefährlich einzuschätzen und deshalb in ihrem Schutzverhalten nachzulassen", so Elisabeth Pott.

    Die Entwicklung bei den HIV-Erstdiagnosen bei Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten weist regionale Unterschiede auf: am deutlichsten steigen die Zahlen in Berlin, zunehmende Zahlen von Erstdiagnosen werden aber auch in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein registriert. In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gingen die gemeldeten Erstdiagnosen zwar zurück, dort waren sie im Vorjahr jedoch überproportional gestiegen. In den übrigen Betroffenengruppen bleibt die Zahl der Erstdiagnosen gleich (heterosexuell Infizierte und Personen aus Hochprävalenzregionen, in denen mehr als ein Prozent der Bevölkerung HIV-infiziert ist) oder geht zurück (i.v. Drogengebraucher).

    In der Gruppe der Männer, die mit Männern Sex haben, ist Syphilis eine besondere Gefahr im Sinne eines Schrittmachers für HIV/AIDS. Bei heterosexuellen Sexualkontakten muss deutlich auf die steigenden Gefahren durch die hohen HIV-Infektionsraten in Osteuropa und Infektionsrisiken durch zunehmende Prostitution hingewiesen werden. Die BZgA hat in ihrer Aidsaufklärung den Bereich der sexuell übertragbaren Krankheiten weiter intensiviert. Dabei sind gerade die Ärzte wichtige Kooperationspartner.

    Quelle: Robert Koch-Institut

    http://www.rki.de/ Robert Koch-Institut, Meldung vom 19. April 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-infizierte Zellen zerstören sich selbst

    Abzielen auf Protein ATM viel versprechend.

    Cambridge - Ein Protein, das hilft DNA-Schäden bei menschlichen Zellen zu reparieren, könnte einen neuen Ansatz zur Bekämpfung von HIV-Infektionen liefern. Zu diesem Ergebnis ist ein Forschungsprojekt von Kudos Pharmaceuticals Limited http://www.kudospharma.co.uk gekommen. Entscheidend ist, dass dieser Ansatz eine Möglichkeit zur Bekämpfung der immer mehr zunehmenden mehrfach resistenten HIV-Stämme bieten könnte. Die aktuelle Studie weist nach, dass im Prinzip das Blockieren eines entscheidenden zellulären Proteins, das die Reaktion auf einen DNA-Schaden reguliert, das Virus an der weiteren Verbreitung hindern kann.

    Die Unterdrückung des ATM-Proteins bei menschlichen Zellen, die im Labor HIV ausgesetzt wurden, verhinderte die Ausbreitung des Virus in die DNA vieler der betroffenen Zellen und führte in der Folge zu ihrem Absterben. Der leitende Wissenschafter Mark O'Connor erklärte, dass durch das Abzielen auf ATM verhindert werden könne, dass infizierte Zellen neue Viren produzieren. Bei ATM handelt es sich um ein nicht entscheidendes Protein, das Brüche im Doppelstrang der DNA des Zellkernes von Säugetieren entdeckt. Dieser Bruch kann zum Beispiel durch eine Schädigung durch ionisierende Strahlung verursacht werden. Entdeckt ATM einen Bruch, löst es einen Reparaturmechanismus aus. Infiziert HIV eine Zelle, spaltet es die DNA des Wirtes um sich in das Genom zu integrieren. Dieser Bruch wird von ATM erkannt. Wenn dieser Bruch nicht entdeckt werde, löse das eine Schadensreaktion der DNA aus, die zum Tod der Zelle führen sollte, meinen die Forscher.

    Für die Unterdrückung von ATM setzte das Team das Molekül KU-55933 ein. Dieses Molekül wurde durch die Analyse einer Reihe möglicher Präparate ermittelt. Es unterdrückte die Reproduktion von HIV-1 bei menschlichen T-Lymphozyten und steigerte den Zelltod. Das Molekül schnitt auch im Vergleich mit eingeführten antiretroviralen Medikamenten wie Lamivudin und Abacavir besser ab. Während deutlich höhere Dosierungen dieser beiden Medikamente erforderlich waren, um medikamentenresistentes HIV zu unterdrücken, wies KU-55933 laut NewScientist eine vergleichbare Wirksamkeit gegen alle getesteten HIV-Stämme auf. O'Connor warnte jedoch, dass das Funktionieren dieses Ansatzes im Labor nicht notwendigerweise auch für die Anwendung im klinischen Bereich gelten müsse. Die Möglichkeit von Nebenwirkungen sei immer zu bedenken. So führe das völlige Fehlen von ATM zu einer seltenen genetischen Erkrankung.

    Pressetext Austria Meldung vom 18. April 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Schweizer NGO hoffen auf liberaleren Papst

    Einen pragmatischeren Papst, der zur Bekämpfung von Aids auch Kondome akzeptiert, wünschen sich Schweizer Nichtergierungs-Organisationen. Auch die katholischen Bischöfe in der Schweiz wollen keinen Kreuzzug gegen Präservative führen.

    Ein Vierteljahrhundert lang hat Papst Johannes Paul II. Abstinenz als einziges Mittel gegen Aids gepredigt und Kondome abgelehnt. Angesichts der Aids-Pandemie scheint sich die starrsinnige Haltung der römisch-katholischen Kirche aufzuweichen.

    "Enthaltsamkeit und Selbstdisziplin, Keuschheit vor der Ehe und eheliche Treue" seien die einzigen Mittel gegen die tödliche Krankheit, hatte der Papst 1993 verkündet. Den Schutz vor dem HI-Virus durch Kondome lehnte die Kirche ab, selbst in Ländern, wo Aids sich rasend schnell ausbreitete.

    Diese Haltung wurde scharf kritisiert. So würdigte die Organisation "Act up Paris" den Papst nach seinem Tod als "Komplizen der Pandemie, der verantwortlich für den Tod von Millionen Männern, Frauen und Kindern ist".

    Ausbreitung begünstigt

    Für verschiedene Schweizer Nichtregierungs-Organisationen (NGO) war die Haltung des Papstes "nicht hilfreich", vor allem nicht in Entwicklungsländern, wie es Thomas Lyssy von der Aids-Hilfe Schweiz formuliert.

    "Der Papst hat die Ausbreitung von Aids und die Ausgrenzung von HIV-positiven Menschen begünstigt", sagt Helena Zweifel, Koordinatorin von Aidsfocus.ch und Co-Direktorin von Medicus Mundi Schweiz.

    Theorie und Praxis

    Immerhin haben aber Kirche und katholische Organisationen eine wichtige Rolle bei der Pflege von Aidskranken übernommen, sagt Ben Plumley von UNAIDS. Die UNO-Organisation arbeitet auch mit katholischen Partnern zusammen.

    Uneins sind sich UNO und Vatikan über Kondome. Die Diskussion müsse vertieft werden, fordert Plumley. Ein Beispiel sei das ABC-Konzept, das auch afrikanische Bischöfe unterstützten. ABC steht für Abstinenz, Treue, Kondome. "Diese Strategie ist ein guter Anfang, reicht aber nicht", sagt Plumley.

    In vielen Regionen seien über die Hälfte der HIV-Neuinfizierten Frauen und Mädchen. Diesen sei es oft unmöglich, Sex abzulehnen und Treue oder den Gebrauch von Kondomen zu verlangen.

    UNAIDS plädiere deshalb für ABC+. Dies schliesse den Kampf gegen sexuelle Gewalt und die Diskriminierung von Frauen bei Erb- und Besitzrechten mit ein. Zudem müssten die Frauen Zugang zu Bildung und Arbeit erhalten.

    Auch für Marianne Tellenbach von protestantischen HEKS geht die Aidsprävention über die ABC-Diskussion hinaus: "Der Kampf gegen Aids schliesst den Kampf gegen Armut und für das Recht auf Bildung und Zugang zu Medikamenten mit ein." Sie wünscht sich einen Papst, der die wirklichen Bedürfnisse Afrikas, Lateinamerikas und Asiens kenne.

    "Kein absurder Kreuzzug"

    Sogar der Afrika-Verantwortliche der katholischen Bethlehem-Mission, Thomas Oelhafen, wünscht sich, dass der nächste Papst bei der Aids-Frage eine pragmatischere Haltung annehme und sich am Beispiel der kirchlichen Arbeit vor Ort orientiere.

    Offenbar hat die Debatte auch den Vatikan erreicht. So hat der päpstliche Gesundheitsminister, Javier Lozano Barraguan, kürzlich Ehefrauen zugestanden, sich eines Kondoms zu bedienen, um sich vor einer Ansteckung durch ihrem HIV-positiven Ehemann zu schützen.

    Und der Genfer Kardinal Georges Cottier erklärte jüngst, dass Kondome die Ausbreitung von Aids in Asien und Afrika eindämmen könnten.

    "Die Kirche wird keinen absurden Kreuzzug gegen das Präservativ führen", sagte denn auch der Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz, Agnell Rickenmann.

    Schweizer Radio International vom 16. April 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Orale Candidiasis als Hinweis auf immunologisches Versagen unter HAART

    Die Diagnose einer oralen Candidiasis scheint bei HIV-Positiven unter hochaktiver antiretroviraler Therapie einen klinischen Marker für ein immunologisches Versagen darzustellen.

    Dr. Luis Alberto Gaitan-Cepeda von der Universitätsklinik Mexiko in Mexiko City und Kollegen betonen in ihrer Arbeit einleitend, dass die CD4-Zellzahl und HI-Viruslast in einigen Ländern aufgrund der fehlenden Infrastruktur nicht als Marker für das mögliche Fortschreiten der HIV-Infektion herangezogen werden können. Nun untersuchten die Wissenschafter, ob eine orale Candidasis einen signifikanten Prädiktor für ein immunologisches Versagen der HAART darstellen könnte.

    Bei Examinierung diesbezüglicher Daten von HIV-Positiven zwischen Jänner und Juli 2002 konnte bei 70 Patienten unter HAART ein immunologischer Response registriert werden (CD4-Zellzahl > 500/mm3), 106 Probanden reagierten nicht positiv auf die hochaktive antiretrovirale Therapie (CD4-Zellzahl < 500/mm3).

    Bei drei immunologischen Responsern war ein Test auf Candidiasis positiv – verglichen mit 31 Patienten in der Gruppe der nicht-Responsern (7,5% vs. 29,2%; OR= 3,38; p=0,006).

    Die Wissenschafter konkludieren, dass die orale Candidiasis einen Marker für das immunologische Versagen einer HAART darstellen könnte.

    Quelle: AIDS Patient Care STDs; 2005, 19: 70-77

    MedAustria Meldung vom 6. April 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Internisten warnen vor neuen HIV-Infektionen

    Wiesbaden - Internisten warnen vor einem deutlichen Anstieg von Aids-Infektionen in Deutschland und fordern wieder mehr Aufklärung über die Immunschwächekrankheit. Mit enormen Zuwachsraten in Osteuropa sei Aids "ein Problem vor unserer Haustür" geworden, sagte Prof. Norbert Brockmeyer am Dienstag beim Internistenkongress in Wiesbaden. Ansteckungsgefahr lauere unter anderem bei Prostituierten.

    Die beim Geschlechtsverkehr übertragbare Syphilis habe in den vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen. Innerhalb Westeuropas habe die Bundesrepublik dabei bereits einen Spitzenplatz erreicht. Nach aller Erfahrung folge auf eine Syphilis-Welle mit einigem Abstand ein spürbarer HIV-Zuwachs, so Brockmeyer.

    Informationskampagnen seien vor allem in Schulklassen nötig, Schwangeren solle vorbeugend ein Aids-Test angeboten werden, um die Gefahr einer möglichen Übertragung auf das Kind zu minimieren. Hausärzte müssten laut Brockmeyer etwa bei ungewöhnlichen Infektionen oder Hautveränderungen wieder mehr an HIV denken und einen Test vorschlagen. "Das wird vom Arzt aber ungern angesprochen."

    Infektionsgrund ist nach den Untersuchungen oft Geschlechtsverkehr mit HIV-positiven Prostituierten. Nur noch die Hälfte der neu Infizierten stecke sich bei gleichgeschlechtlichem Sex unter Männern an, sagte Brockmeyer, der auch Präsident der deutschen Aids- Gesellschaft ist.

    Derzeit infizieren sich in Deutschland etwa 2000 Menschen jährlich neu mit dem Virus. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts waren Ende 2004 rund 44 000 Menschen in Deutschland infiziert oder bereits an Aids erkrankt. Rund 700 starben im Jahr 2003 daran.

    Grund für die Sorglosigkeit vor allem bei Jugendlichen seien die Behandlungserfolge und deutliche Verringerung der Sterblichkeit seit Mitte der 90er Jahre, sagte der Berliner Internist Keikawus Arasteh. Dabei werde übersehen, dass die längere Überlebenszeit mit erheblichen Nebenwirkungen wie Hautausschlag, Leber- und Blutveränderungen und höherem Infarktrisiko erkauft werde.

    Die medikamentöse Therapie bleibe zudem ein Wettlauf mit der zunehmenden Resistenz von Aids-Viren. Die Internisten fordern deshalb, dass die Krankenkasse den rund 300 Euro teuren Resistenztest bezahlt.

    Kölner Stadt-Anzeiger vom 5. April 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Trivalenter HIV-Impfstoff getestet

    In einer Phase-II-Studie wird derzeit ein potenzieller Impfstoff gegen die Immunschwächekrankheit Aids getestet. Im Gegensatz zu früheren Impfstoffen basiert die vom US-Unternehmen Merck & Co. entwickelte trivalente Vakzine MRKAd5 HIV-1 nicht auf der Ausbildung von Antikörpern, sondern soll primär die zelluläre Immunabwehr ansprechen.

    In erster Linie soll in der Studie untersucht werden, ob der Wirkstoff den Verlauf einer klinischen HIV-Infektion verändert. Der Impfstoff MRKAd5 HIV-1 beinhaltet modifizierte Gene von drei Antigenen des Aids-Erregers HIV-1, gag, pol und nef. Zusätzlich sind abgeschwächte Adenoviren enthalten, die so verändert sind, dass sie sich nicht vermehren oder eine Erkältung beim Menschen auslösen können.

    Das Adenovirus wird als Vektor, als Gen-Fähre, benutzt, die die synthetisch hergestellten HIV-Gene gag, pol und nef in die Zellen transportieren. Die Zellen produzieren wiederum Proteine, die eine T-Lymphozyten-aktivierte Immunantwort gegen HIV-infizierte Zellen auslösen: Aktivierte zytotoxische T-Lymphozyten sollen HIV-infizierte Zellen erkennen und abtöten.

    Bereits in den Phase-I-Studien war erkennbar, dass sich mit diesem Impfstoff eine gute anhaltende Immunantwort aufbauen lässt. Nun wird überprüft, ob dadurch auch Neuinfektionen verhindert werden können. An der Phase II nehmen weltweit 1500 Männer und Frauen zwischen 18 und 45 Jahren verschiedener ethnischer Herkunft und mit einem hohen Risiko, sich mit HIV zu infizieren teil. Die Wissenschaftler wiesen jedoch darauf hin, dass ein tatsächlich anwendbarer Impfstoff erst in zehn Jahren zu erwarten wäre.

    Quelle: Scrippharma.com, No 3024, 28. Januar 2005

    Deutsche Apotheker Zeitung vom 3. April 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    AIDS-Bekämpfung muss für alle Staaten vorrangig sein

    MOSKAU. Die HIV/AIDS-Bekämpfung sollte auf der politischen Tagesordnung aller Staaten eine vorrangige Stellung einnehmen. Das erklärte der Exekutivdirektor des Vereinten UNO-Programms gegen HIV/AIDS (UNAIDS), Peter Piot, am Freitag in Moskau. Er sprach auf einer Beratung auf Ministerebene, die mit Unterstützung des Außenministeriums Russlands unter Beteiligung von Regierungsmitgliedern der GUS-Länder, von Vertretern nichtstaatlicher Organisationen und von Gesundheitsexperten stattfindet.

    Wie der Exekutivdirektor des UNO-Amtes für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, Antonio Mario Costa, anmerkte, "wird die Beratung zur rechten Zeit, aus dem richtigen Anlass und am rechten Ort durchgeführt".

    Costa rief die Regierungen auf, Gesetze anzunehmen, die für die Organisation informeller Kampagnen zur HIV-Prophylaxe notwendig sind. "Ohne entsprechende Rechtsbasis können die Regierungen keine effektiven Strategien und Programme ausarbeiten", fügte der Exekutivdirektor hinzu.

    Nach Schätzung des UNAIDS-Exekutivdirektors "ist in den Ländern Osteuropas und Mittelasiens eines der höchsten Tempos der Ausbreitung der HIV/AIDS-Epidemie zu beobachten. Bei mehr als 80 Prozent der registrierten HIV-Fälle handelt es sich um Jugendliche im Alter bis 29 Jahren. Das wirkt sich auf die sozial-ökonomische Entwicklung und die Sicherheit der Region negativ aus, sollten keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden."

    Der Exekutivdirektor von UNAIDS äußerte sein Bedauern darüber, dass "es zur Zeit in der GUS keinen Staat gibt, von dem gesagt werden könnte, dort sei es um die AIDS-Bekämpfung besser bestellt als in den anderen Ländern".

    RIA Nowosti Meldung vom 1. April 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Therapie muss auch gut immunologisch wirksam sein

    Erfolg mit Protease-Hemmer, der vor Abbau geschützt ist.

    Marrakesch. Bei der Entscheidung für Medikamente der initialen HIV-Therapie stehen nach wie vor die maximale Hemmung der Virusvermehrung und die Verbesserung oder der Erhalt des Immunstatus im Vordergrund. Kombinationstherapien mit geboosterten Protease-Hemmern (PI) und nicht-nukleosidischen Reverse Transkriptasehemmern (NNRTI) sind zwar virologisch ähnlich gut wirksam, aber geboosterte PIs wie Lopinavir/r wirken immunologisch besser.

    Boostern bedeutet, dass das zusätzlich verabreichte Ritonavir(r) in niedriger Konzentration jene Enzyme hemmt, die den Kombipartner, etwa Lopinavir, abbauen. Die immunologisch bessere Wirkung geboosterter PIs wurde jetzt in einem systematischen Vergleich von 49 Studien bestätigt, in denen zwischen 1994 und 2004 insgesamt 13 147 zuvor nicht behandelte HIV-Patienten mit unterschiedlichen Dreifach-Kombitherapien mindestens 48 Wochen lang behandelt wurden. Dies hat Professor Joep Lange aus Amsterdam bei einer Tagung in Marrakesch berichtet.

    Der Studie zufolge waren ein geboosterter PI sowie ein NNRTI - jeweils kombiniert mit zwei nukleosidischen Reverse Transkriptasehemmern (NRTI) - den Dreifachkombinationen aus ungeboostertem PI plus zwei NRTIs und Kombinationen aus drei NRTIs signifikant überlegen: Jeweils 64 Prozent der Patienten hatten in der Intent-To-Treat-Analyse mit geboostertem PI und NNRTI eine Virusmenge unter 50 HIV-RNA Kopien pro Milliliter Blut im Vergleich zu 44 und 51 Prozent in den anderen beiden Gruppen.

    In 19 Studienarmen erreichten diese Nachweisgrenze mehr als 65 Prozent der Patienten. Darunter waren nur Kombitherapien mit den NNRTI Nevirapin und Efavirenz sowie Lopinavir/r (Kaletra®) als einzigem Protease-Hemmer.

    Therapien mit geboostertem PI seien jedoch immunologisch signifikant wirksamer, betonte Lange auf einer Veranstaltung des Unternehmens Abbott. In der Analyse stieg die CD4-Zellzahl im Vergleich zum Ausgangswert mit einem geboosterten PI um 209 Zellen pro Mikroliter Blut, mit einem NNRTI um 174, mit einem ungeboosterten PI um 178 und mit alleiniger NRTI-Kombination um 150 Zellen.

    In der bisher längsten Studie mit zuvor nicht behandelten Patienten wirke Lopinavir/r, kombiniert mit 3TC und d4T, auch noch nach sechs Jahren Therapie bei den meisten Patienten, so Lange. Der Intent-To-Treat-Analyse zufolge - es wurden alle Patienten einbezogen - erreichten in dieser offenen Studie 62 Prozent der Patienten eine Virusmenge unter 50 Kopien, und die CD4-Zellzahl stieg unabhängig vom Ausgangswert im Mittel um 529 Zellen pro Mikroliter. In dieser Studie entwickelte sich - wie in anderen Studien auch - noch keine Resistenz gegen Lopinavir/r.

    Ärzte Zeitung vom 31. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Neuer Aids-Test ermittelt Zeit und Ort der Infektion

    Verfahren ermöglicht eine genaue Analyse des Infektionsverlaufs.

    Rom - Ein neuer Aids-Test macht es nunmehr möglich den Infektionszeitraum bei neu infizierten Patienten bis auf die sechs vorangegangenen Monaten genau zu datieren und gibt so einen Hinweis auf den Verlauf der Infektion. Das Testverfahren wurde Freitag online auf der Homepage des italienischen Gesundheitsinstituts Istituto Superiore di Sanità (ISS) http://www.iss.it vorgestellt.

    Bei dem neuen Testverfahren handelt es sich um eine bedeutende Weiterentwicklung der derzeitigen Testverfahren. Denn bisher konnte nur anhand einer Analyse festgestellt werden, ob Antikörper im Blut nachweisbar sind, jedoch nicht wie viel Zeit bereits seit der Ansteckung verstrichen ist. Daher konnte man nur schätzen wann sich ein Patient infiziert hat. Aus dem neuen Testverfahren resultieren nun auch neue Ansätze bei der Behandlung, denn manche Patienten tragen das Virus jahrelang in sich ohne etwas zu bemerken, während sich bei anderen Patienten das Krankheitsbild viel schneller entwickelt. Nun kann man zumindest jene Patienten ermitteln, die sich innerhalb der vergangenen sechs Monate infiziert haben. Des Weiteren können folglich die jährlichen Neuinfektionen genau eruiert werden.

    "Es handelt sich hierbei aus epidemiologischer Sicht um einen fulminanten Durchbruch. Der Test ist ein neues Instrument um den Verlauf der Krankheit zu protokollieren", erklärte Giovanni Rezza, der Direktor des ISS. Die aktuelle Ausbreitung des Virus im Körper des Patienten kann ermittelt werden, denn der neue Test misst die Reife der Antikörper anhand des Wertes der aggressiven Antikörper. Dieser Wert ist in den ersten Monaten der Infektion noch sehr niedrig und steigt im Verlauf der folgenden Monate kontinuierlich an um sich schlussendlich auf einem hohen Wert zu stabilisieren, wenn die Infektion bereits in einer sehr fortgeschrittenen Phase ist.

    "Das neue Verfahren macht es uns möglich den aktuellen Verlauf und die Ausbreitung der HIV-Infektion zu bestimmen. Darüber hinaus können wir die häufigsten Übertragungswege eruieren, die geographisch am meisten betroffenen Regionen ermitteln, die am häufigsten infizierten sozialen Gruppen feststellen und folglich neue Wege der Prävention und Intervention entwickeln. Denn eine schnelle und sachgemäße Aufklärung und Betreuung in besonders betroffenen Regionen oder bei besonders betroffenen sozialen Schichten kann Leben retten", resümierte Barbara Suligoi, die Leiterin der Studie.

    Der Test hat den Vorteil, dass er sehr kostengünstig, wiederholbar, verlässlich und einfach ausführbar ist. Die Wissenschafter erhoffen sich nicht nur national, sondern auch international einen Durchbruch.

    Pressetext Austria vom 25. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Forschende Arzneimittelhersteller versorgen AIDS-Patienten in der Dritten Welt

    Berlin. Die forschenden Arzneimittelhersteller haben sich zu einer der wichtigsten Stützen in der Behandlung von AIDS-Infektionen in der Dritten Welt entwickelt. So wurden Ende 2004 allein von der Accelerating Access Initiative (AAI) rund 333.000 Menschen betreut. "Die Zahl der von der AAI behandelten Patienten ist in zwölf Monaten um mehr als 50 Prozent gestiegen. Das ist ein eindrucksvoller Beweis des großen Engagements der forschenden Arzneimittelhersteller im Kampf gegen HIV", erklärt Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA).

    In der AAI haben sich vor fünf Jahren UNAIDS, WHO, UNICEF, UNFPA und Weltbank mit sieben forschenden Arzneimittelherstellern (Abbott, Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Gilead, Glaxo-SmithKline, Hoffmann-La Roche, Merck & Co bzw. MSD) zusammengeschlossen. Die meisten Patienten werden in Afrika behandelt (157.000), gefolgt von Zentral- und Südamerika, Asien und dem Mittleren Osten sowie Osteuropa. Über die AAI stellen die forschenden Arzneimittelhersteller inzwischen die Hälfte aller in den Entwicklungsländern eingesetzten antiretroviralen Medikamente (Arzneimittel zur Behandlung von HIV/AIDS) zur Verfügung. Darüber hinaus engagieren sie sich weltweit in vielen weiteren Hilfsprojekten zur Bekämpfung von HIV/AIDS.

    "Die Erfahrung aus unseren zahlreichen Hilfsprojekten zeigt aber auch, dass die Bereitstellung massiv verbilligter oder gespendeter Medikamente und die Organisation der Behandlung nur Notmaßnahmen sind, die die eigentlichen Probleme in der AIDS-Bekämpfung - insbesondere Armut und Unterentwicklung in den betroffenen Ländern - nicht lösen. Wenn es nicht gelingt, durch verstärkte Aufklärung und Präventionsmaßnahmen das Risikoverhalten der Menschen zu ändern, werden wir den exponentiellen Anstieg der AIDS-Infektionen in der Dritten Welt nicht stoppen können".

    "Das Erfolgsrezept der AAI ist ihr ganzheitlicher Ansatz aus Prävention, Betreuung, Behandlung und logistischer Unterstützung", so Yzer weiter. Bei der Vorstellung ihres Progress Reports hatten Anfang des Jahres auch Dr. Peter Piot (Director UNAIDS) und Dr. Jack Chow (Assistant Director General der WHO) die bedeutende Rolle der forschenden Arzneimittelhersteller bei der Bekämpfung von HIV/Aids betont.

    Trotz dieser erfreulichen Entwicklung bleiben die absoluten Zahlen alarmierend. Nach Schätzungen von UNAIDS könnten allein in Afrika bis 2015 80 Millionen Menschen an AIDS sterben. Schon jetzt sind rund 25 Millionen Afrikaner infiziert, täglich sterben etwa 6500 Menschen an der Krankheit. Beobachter gehen daher schon davon aus, dass die Hoffnungen, die die WHO im Rahmen ihrer "3by5"-Initiative geweckt hatte, nicht erfüllbar sind. Darin wurde das Ziel formuliert, bis Ende 2005 drei Millionen Menschen mit AIDS-Medikamenten zu behandeln.

    "Ohne funktionierende Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern kann das unkontrollierte Verteilen von AIDS-Arzneimitteln sogar zu einer Katastrophe führen, weil dadurch die Gefahr von HIV-Mutanten steigt, die gegen bekannte Medikamente resistent sind", warnt Yzer. Auch die AAI hat mit den Folgen der Armut und der damit verbundenen mangelnden logistischen und medizinischen Infrastruktur zu kämpfen. Nach WHO-Schätzungen fehlen allein in Afrika zwei Millionen medizinische Fachkräfte. Viele Betroffene kennen weder die Krankheit AIDS noch ihre Übertragungswege. Umso wichtiger ist intensive Aufklärungsarbeit, durch die die Neuansteckungsraten in Uganda beispielsweise um 80 Prozent gesenkt werden konnte.

    VfA - Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. - Pressemitteilung vom 25. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Neues HIV nutzt ungewöhnliche Infektionswege

    New York. US-Ärzte haben Details der Infektion mit einem offenbar besonders aggressiven Aids-Erreger bei einem Homosexuellen nach einer Infektiologie-Tagung nun auch im "Lancet" veröffentlicht. Ungewöhnlich ist danach, dass die HIV-Variante unter anderen an Rezeptoren bindet, die normalerweise erst spät im Verlauf der Erkrankung genutzt werden.

    In New York wurde, wie berichtet, vor kurzem bei einem homosexuellen Mann ein offenbar besonders aggressives HI-Virus entdeckt. Der aus dem Blut des Mannes isolierte Aids-Erreger vom Subtyp B dringt in Zellen ein, die den CXCR4-Rezeptor allein oder in Kombination mit dem CCR5-Rezeptor tragen. Folge ist die massenhafte Zerstörung von CD4-Zellen im Gastrointestinaltrakt und im Blut (Lancet 365, 2005, 1031).

    Bisher wurden bei frisch Infizierten überwiegend HI-Viren nachgewiesen, die den CCR5-Rezeptor nutzen, um in die Zellen zu gelangen, und erst im späteren Verlauf der HIV-Krankheit solche, die den Rezeptor CXCR4 nutzen. Für die Ärzte um Professor David D. Ho aus New York ist diese Entdeckung - gemeinsam mit der Tatsache, dass der Patient ungeschützten und risikoreichen Sex mit vielen Partnern hatte und zudem die Party-Droge Speed (Metamphetamin) konsumierte - eine mögliche Erklärung für die rasche Zerstörung von Lymphozyten und für Aids innerhalb von wenigen Monaten.

    Das Virus ist gegen alle Protease-Hemmer sowie gegen den nicht-nukleosidischen Hemmstoff der Reversen Transkriptase von HIV Nevirapin resistent. Nur für den Fusionshemmer Enfuvirtide und den nicht-nukleosidischen Hemmstoff Efavirenz ist der Aids-Erreger empfindlich, wie die Ärzte berichten. Noch immer sei unklar, ob der HIV-Infizierte ein Einzelfall ist.

    Ärzte-Zeitung vom 23. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Erkrankung mit heimlicher Ansteckung

    45 Prozent der Betroffenen kennen die Ursache ihrer Infektion nicht.

    Grenzach - Rund 800.000 Bundesbürger sind nach Angabe von Hepatitis Care http://www.hepatitis-care.de mit dem ansteckenden Hepatitis-C-Virus infiziert. Die meisten wissen nicht, wie es zur Ansteckung kam. Bei 45 % der Betroffenen ist die Übertragungsursache unbekannt. Betroffen sind alle Schichten und sozialen Gruppen - Hepatitis C ist keine "Drogen-Krankheit" oder gar eine "Homosexuellen-Krankheit", was fälschlicherweise auch von Aids immer wieder behauptet wird.

    Das Hepatitis-C-Virus wird durch infiziertes Blut übertragen. Damit eine Ansteckung erfolgen kann, müssen die Viren direkt in die Blutbahn des Empfängers gelangen, d.h. das Hepatitis-C-Virus kann nur über Wunden oder offene Schleimhäute in sein "Gegenüber" eindringen.

    Da das Hepatitis-C-Virus erst seit 1989 bekannt ist, konnte es bis ca. 1990 unbemerkt durch Transfusionen und Blutprodukte in Krankenhäusern übertragen werden. Seitdem werden alle Spender auf Hepatitis C untersucht, wodurch eine Übertragung auf diese Weise heute in Ländern mit einem gut organisierten Blutspendedienst extrem selten geworden ist.

    Gefährdete Personengruppen sind medizinisches Personal und Reinigungspersonal, das mit infiziertem Blut in Kontakt kommen kann. Es besteht auch die Möglichkeit, dass das Hepatitis-C-Virus bei einem medizinischen Eingriff in der Arztpraxis oder im Krankenhaus übertragen wird.

    Die Übertragung durch Geschlechtsverkehr ist sehr selten. Faktoren, die hierbei die Übertragung begünstigen, sind Erkrankungen der Geschlechtsorgane wie z. B. Herpes oder Verletzungen im Genitalbereich. Häufiger Partnerwechsel ohne den Gebrauch von Kondomen erhöht somit ebenfalls die Ansteckungsgefahr.

    Hepatitis C kann auch durch kontaminierte Spritzennadeln, wie z.B. bei Drogengebrauch, oder durch das Benutzen unsteriler Instrumente beim Tätowieren oder Piercen übertragen werden. Prinzipiell besteht bei jeder Verletzung mit unsterilen Gegenständen, die Blutkontakt hatten, Ansteckungsgefahr.

    Entscheidend für die Zukunft der Patienten ist eine möglichst frühzeitige Entdeckung und Behandlung. Dabei steigt die Lebenserwartung der Betroffenen, wenn die Therapie frühzeitig einsetzt. Für die Frühdiagnostik stehen den Ärzten vor allem die Blutwerte zur Verfügung. Insbesondere Müdigkeit und Abgeschlagenheit über einen längeren Zeitraum, möglicherweise nach einem zurückliegenden Krankenhausaufenthalt, können ein erstes Symptom sein.

    Gewissheit kann dann aber nur die Laboruntersuchung bringen. Bei den beschriebenen Symptomen sollte der Hausarzt angesprochen werden. Bei auch nur leichter Erhöhung der Leberwerte sollte eine Hepatitis B bzw. eine Hepatitis C durch einen einfach durchzuführenden Antikörpertest ausgeschlossen werden; eine Empfehlung, die das Robert-Koch-Institut im Jahr 2003 ausgesprochen hat.

    Weitere Informationen finden Sie unter http://www.hepatitis-care.de

    Pressetext Austria vom 23. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Zwangstest für Gastronomie-Angestellte

    Schanghai - Die Provinz Yunnan im Südwesten Chinas zwingt die Beschäftigten im Gastronomiegewerbe zu jährlichen Aids-Tests. Die mit der Immunschwächekrankheit infizierten Personen sollen entlassen oder versetzt werden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die kostenlosen Tests, die seit Montag vorgeschrieben sind, sollten sicherstellen, dass die Betroffenen die notwendige Behandlung bekämen, sagte Wang Yinsheng vom Zentrum für Aids-Vorsorge in Yunnan. Zudem könne die Ausbreitung der Krankheit so eingedämmt werden.

    Ein Mitarbeiter der Aids-Behörde der Vereinten Nationen (UNAIDS) in Peking sagte hingegen, verbindliche Aids-Tests habe es schon vor einigen Jahren in Thailand gegeben. Damals habe sich gezeigt, dass es viel effektiver sei, für den Gebrauch von Kondomen zu werben. Die UN befürworteten Aids-Tests sehr, allerdings müssten sie freiwillig sein, sagte der Landeskoordinator von UNAIDS, Joel Rehnstrom, der AP. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) befürchte auch, dass die obligatorischen Tests am Arbeitsplatz zu Diskriminierung führen können. «Ich halte dies für eine Besorgnis erregende Entwicklung», sagte Rehnstrom.

    Von der neuen Regelung sind Beschäftigte in Hotels, Schwimmbädern, Nachtclubs und anderen Unterhaltungsstätten betroffen. Die Behörden würden nicht auf der Entlassung der Infizierten bestehen, sagte Wang. Er deutete an, sie könnten auch auf Arbeitsplätze versetzt werden, wo sie keinen Kontakt zur Öffentlichkeit haben.

    Yahoo-Nachrichten - Meldung vom 22. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Patient mit multiresistenter HIV-Form

    Forscher beschreiben den Fall eines Patienten mit einer neuartigen HIV-Variante, die gegen verschiedene Klassen von antiretroviralen Medikamenten resistent ist und mit einer schnellen Entwicklung von AIDS einhergeht.

    Der Patient ist männlich, wohnt in New York und hatte ungeschützten Geschlechtsverkehr mit verschiedenen Partnern. Er nahm regelmäßig das illegale Stimulans Metamphetamin ein. Seine Infektion mit HIV führte innerhalb von vier bis zwanzig Monaten zu einer symptomatischen AIDS-Erkrankung. Martin Markowitz vom Aaron Diamond AIDS Research Centre in New York und seine Kollegen analysierten die genetischen Charakteristika dieser Virusvariante und untersuchten deren Ansprechen auf antiretrovirale Medikamente.

    Eine schnelle Progression zu AIDS nach einer HIV-Infektion wurde schon früher beschrieben, wie auch die Transmission multiresistenter Viren. Das Besondere dieses Berichtes ist jedoch die Kombination dieser zwei Eigenschaften – multiple Medikamentenresistenz und schnelle klinische AIDS-Erkrankung.

    Bisherige Ergebnisse lassen vermuten, dass die Wahrscheinlichkeit einer AIDS-Erkrankung innerhalb von sechs Monaten bei sieben in 10 000 und innerhalb von zwölf Monaten bei 45 in 10 000 Individuen liegt. Die Ursache dieses schnellen Fortschreitens der Erkrankung könnte eine besonders aggressive Form von HIV sein. Eine weiter gehende Studie hat bereits begonnen, ist jedoch noch nicht fertiggestellt. Die Autoren bemerken, dass die Auswirkungen dieses Falles auf das Gesundheitswesen weit reichend sind, da dieser Patient von ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit unterschiedlichen Partnern berichtete.

    Dr. Markowitz erklärt: "Nur weitere Untersuchungen können zeigen, ob es sich um einen isolierten Fall handelt oder nicht. Unabhängig vom Ergebnis müssen die Anstrengungen verstärkt werden, die Übertragung von HIV zu verhindern, besonders im Hinblick auf die durch den Gebrauch von Metamphetamin angekurbelte Epidemie. Dabei sollten jedoch Strafmaßnahmen gegen die für HIV am stärksten anfälligen Gesellschaftsgruppen vermieden werden."

    In einem Begleitkommentar erklärt der Leitartikel: "Dieser Fall muss uns daran erinnern, dass HIV ein beängstigender und wandlungsfähiger Feind ist; ein Feind, der mit erstaunlicher Schnelligkeit mutieren kann, um Attacken des Immunsystems zu entgehen oder Medikamentenresistenzen zu erwerben. Zu den Lektionen dieses Falles gehört, dass trotz aller Fortschritte des Wissens rund um das Virus und der Entwicklung neuer Medikamente Prävention immer noch die effektivste Strategie zur HIV-Bekämpfung bleibt. Besonders wirksam sind Präventionsanstrengungen, die Hochrisikogruppen betreffen, wie zum Beispiel Männer, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben, Drogenabhängige oder Prostituierte und ihre Klienten."

    Quelle:
    Martin Markowitz, Hiroshi Mohri, Saurabh Mehandru, Anita Shet, Leslie Berry, Roopa Kalyanaraman, Alexandria Kim, Chris Chung, Patrick Jean-Pierre, Amir Horowitz, Melissa La Mar, Terri Wrin, Neil Parkin, Michael Poles, Christos Petropoulos, Michael Mullen, Daniel Boden, David D Ho. Infection with multidrug resistant, dual-tropic HIV-1 and rapid progression to AIDS: a case report. Lancet 2005; 365: 1031

    The Lancet vom 18. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Medikamente im ZNS

    Die Häufigkeit der AIDS-Demenz ist seit der Einführung antiretroviraler Medikamente drastisch gesunken. Kontrovers diskutiert wird jedoch, ob die Medikamente ins Zentrale-Nerven-System (ZNS) eindringen müssen, um diese Effekt zu erzielen. Besondere Bedenken wurden stets bei jenen Substanzklassen geäußert, die eine relativ schlechte ZNS-Gängigkeit aufweisen, wie z.B. die Proteaseinhibitoren (PIs).

    In einer Studie versuchte man nun herauszufinden, ob Lopinavir/Ritonavir (LPV/r, Kaletra®), ein PI mit starker Proteinbindung, die Viruslast (VL) der Patienten im ZNS senken kann, wenn das Medikament am Beginn einer Behandlung als eine Monotherapie eingesetzt wird.

    Insgesamt wurden 13 Teilnehmer in die Studie aufgenommen und drei Wochen lang nur mit LPV/r behandelt. Zu Studienbeginn und nach drei Wochen (bei 10 Pat.) wurde eine Probe der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis = Cerebrospinalflüssigkeit = CSF) entnommen.

    Zu Beginn der Studie lag die VL im Plasma bei 5,20 log und in der CSF bei 3,63 log. Die LPV/r Monotherapie senkte die VL sowohl im Plasma als auch in der CSF um 1,7 log bzw. 1,4 log. Interessanter Weise erfuhren Patienten mit weiter fortgeschrittener HIV-Infektion (höhere VL, niedrigere CD 4-Zellzahl) eine schnellere Abnahme der VL in der CSF.

    Diese kleine Studie bringt wichtige Informationen für die weitere Entwicklung von LPV/r und von anderen geboosteten PIs als Monotherapie, entweder für die Initialtherapie oder für die Erhaltungstherapie. Die Daten legen nahe, dass die ZNS-Gängigkeit antiretroviraler Medikamente für die Prävention der AIDS-Demenz und anderer neurologischer Komplikationen der HIV-Infektionen möglicherweise nicht so essentiell ist wie vermutet.

    Quelle:
    Van den Brande G. et al. "Kaletra independently reduces HIV replication in cerebrospinal fluid"; 12th Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI) 2005, Boston (USA), 22. -25.2.2005; Poster #403

    The Body - February 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Herzinfarkt-Inzidenz steigt mit Dauer einer HAART

    Eine auf der 12. CROI präsentierten Studie beschreibt eine Steigerung des Herzinfarkt-Risikos mit der Dauer der Einnahme einer HAART.

    Ein Wissenschafterteam unter der Leitung von Dr. Jens Lundgren (D:A:D Study-Group) untersuchte bei 23.441 HIV-Positiven (24% Frauen) eine mögliche Assoziation zwischen der Dauer der Einnahme einer HAART und der Myokardinfarkt-Inzidenz. Die Kombinationstherapie wurde durchschnittlich 4,46 Jahre eingenommen.

    Die Herzinfarkt-Inzidenz lag bei HAART-naiven HIV-Positiven bei 1,39 pro 1.000 Patienten-Jahren. Die Inzidenz stieg auf 2,53 pro 1.000 Patienten-Jahre im ersten Jahr unter einer HAART und auf 6,07 pro 1.000 Patienten-Jahre nach sechs Jahren Einnahme einer hochaktiven antiretroviralen Therapie. Nach Adjustierung auf diverse MI-Risikofaktoren konnte eine 1,17fache Steigerung des Herzinfarktrisikos pro Jahr unter HAART errechnet werden. Diese Relation war unabhängig vom Alter der Patienten. Eine Lipodystrophie hatte in dieser Studie keinen Einfluss auf das Myokardinfarkt-Risiko (RR=0,99).

    Die oben beschriebenen Resultate unterstreichen die dringende Notwendigkeit eines regelmäßigen Monitorings auf kardiovaskuläre Erkrankungen bei HIV-Positiven unter hochaktiver antiretroviraler Therapie.

    Quelle: 12th CROI; Paper #42

    MedAustria - AIDS News Line - Meldung vom 17. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    HAART verhindert viele Krebserkrankungen bei HIV-Patienten

    LYON. Die hoch aktive antiretrovirale Therapie (HAART) verhindert bei HIV-Infizierten eine Immunschwäche und den Ausbruch von Folgeerkrankungen. Hierzu zählen auch eine Reihe von Krebserkrankungen, die seit HAART seltener geworden sind, wie eine Auswertung der Swiss-HIV-Cohort im Journal of the US-National Cancer Institute (JNCI 2005; 97: 425-32) zeigt. Die Gefahr scheint jedoch keineswegs gebannt.

    Die ersten HIV-Erkrankungen wurden 1981 entdeckt, weil es unter Homosexuellen in San Francisco zu einer merkwürdigen Häufung von seltenen Hauttumoren kam, den Kaposi-Sarkomen. Später zeigte sich, dass auch einige andere Tumoren vermehrt auftraten. Viele Patienten starben an einem Non-Hodgkin-Lymphom (oft als Hirntumor). Tumoren waren neben den opportunistischen Infektionen die häufigste Todesursache der Patienten.

    Vor der Einführung der HAART 1997 waren auch in der Swiss-HIV-Cohort-Study die Krebserkrankungen sehr häufig, wie die aktuelle Auswertung von Gary Clifford von der International Agency for Research on Cancer in Lyon und Mitarbeiter zeigt. Die standardisierte Inzidenzrate (SIR) – sie gibt an, wie viel häufiger eine Erkrankung ist als in der Normalbevölkerung – betrug für das Kaposi-Sarkom 192, für das Non-Hodgkin Lymphom 76,4. Signifikant häufiger bei HIV-Infizierten waren auch Analkarzinome (SIR = 33,4), Hodgkin-Lymphome (SIR = 17,3), Zervixkarzinome (SIR = 8,0), Leberkrebs (SIR = 7,0), Lippen- Mund- und Pharynxkarzinome (SIR = 4,1), Tumoren der Atemwege (Trachea, Lunge und Bronchen: SIR = 3,2) und Nicht-Melanom-Hautkrebs (SIR = 3,2).

    Viele dieser Erkrankungen werden heute bei HIV-Patienten nur noch selten beobachtet. So gab es in der Schweizer Kohorte unter den Nichtrauchern seit HAART keinen weiteren Fall von Lippen- Mund- und Pharynxkarzinomen. Auch die Non-Hodgkin-Lymphome sind um 76 Prozent zurückgegangen. Mit einer SIR von 24,2 ist dieses Lymphom jedoch immer noch deutlich häufiger als in der Normalbevölkerung. Das Gleiche trifft auf das Kaposi-Sarkom (SIR 25,3) zu, ohne dass es hierfür eine befriedigende Erklärung gibt. Sind es “Durchbruch”-Karzinome oder treten diese Tumoren vor allem bei Patienten auf, bei denen HAART versagt hat, fragen sich Eric Engels und James Goedert vom US-National Cancer Institute in Rockville/Maryland in Editorial (JNCI 2005; 97: 407-9).

    Irritierend ist, dass die Zahl der Hodgkin-Lymphome sogar relativ angestiegen ist. Die SIR vor HAART betrug 17,3. Heute sind es 36,2 Mal mehr als in der Normalbevölkerung. Dies könnte mit der Verbreitung des Epstein-Barr-Virus (EBV) zusammenhängen, vermuten die Autoren. EBV ist mit dem Lymphom assoziiert, und fast alle HIV/Aids-Patienten mit einem Hodgkin-Lymphom sind EBV-positiv.

    Viele HIV-Infizierte sind auch mit Hepatitis B und C und mit dem humanen Papillomavirus (HPV) infiziert. Dies könnte erklären, warum das Risiko auf Leberkrebs und anogenitale Tumoren weiter erhöht ist. Noch ist unklar, ob diese an sich seltenen Tumoren auf lange Sicht die Prognose der Patienten trüben. Auch der hohe Anteil an Rauchern unter den HIV-Patienten sowie das diskutierte erhöhte kardiale Risiko könnten dazu führen, dass die Patienten trotz der Medikamente keine normale Lebenserwartung haben, zumal es immer zu einer Multiresistenz gegen die Medikamente kommen kann.

    Deutsches Ärzteblatt vom 16. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Steigende HIV-Inzidenz infolge heterosexuellen Geschlechtsverkehrs

    In Großbritannien steigt die HIV-Inzidenz infolge ungeschützten heterosexuellen Geschlechtsverkehrs deutlich an.

    Dr. Sarah Dougan und Kollegen vom Health Protection Agency Center for Infections in London berichten in ihrer Arbeit, dass in England, Nordirland und Wales zwischen 1985 und 2003 bei nahezu 21.000 Erwachsenen eine HIV-Infektion infolge heterosexueller Intimkontakte diagnostiziert wurde. Dies entspricht einer Frequenz von etwa zehn Prozent für das Infektionsrisiko bei Heterosexuellen.

    Von diesen Personen vermuten etwa neun Prozent der Patienten in England, Nordirland und Wales im eigenen Land infiziert worden zu sein, 62 Prozent vermuten, dass sie möglicherweise bei Intimkontakten außerhalb von Europa infiziert wurden, die restlichen Probanden vermuten, dass sie bei heterosexuellen Kontakten innerhalb Europas infiziert wurden.

    Die HIV-Inzidenz war bei homosexuellen Männern mit ca. 80% der diagnostizierten Fälle am höchsten.

    MedAustria Meldung vom 14. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infizierte Eltern meiden Körperkontakt mit ihren Kindern

    Eine amerikanische Studie ergab jetzt, dass HIV-positive Eltern aus Angst vor Ansteckung es vermeiden ihre Kinder zu umarmen oder zu küssen. Dabei befürchten die Eltern einerseits das HI-Virus auf ihre Kinder zu übertragen. Anderseits haben sie aber auch Sorge, dass sie sich bei ihren Kindern mit einem Erreger anstecken könnten, der eine opportunistische Infektion auslöst.

    Unsicherheit bezüglich der Übertragungswege

    28 % der in Behandlung befindlichen HIV-Patienten in den USA haben Kinder im Alter unter 18 Jahren. Kürzlich hatte eine Umfrage in den USA ergeben, dass über ein Drittel der Amerikaner glaubt, sich bereits beim Küssen mit HIV anstecken zu können. Aber auch die Betroffenen selbst sind unsicher und wissen nicht immer, auf welchen Wegen der Erreger übertragen wird und auf welchen nicht.

    Keine Küsse aus Angst vor Ansteckung

    Das Wissenschaftlerteam aus Los Angeles befragte 344 HIV-infizierte Eltern über ihre Ängste bezüglich der Übertragung von Krankheiten. 42 % der befragten Eltern gaben an, sie fürchteten sich bei ihren Kindern anzustecken, während 36 % der Befragten angaben, dass sie Sorge hätten ihre Kinder mit HIV zu infizieren. Aus diesem Grund küsst ein Fünftel der Befragten seine Kinder nicht auf die Lippen. Ein geringer Anteil der Befragten gab sogar an, die Kinder vorsichtshalber nicht einmal auf die Wangen zu küssen. 25 % der Eltern schränken daher den Körperkontakt zu ihren Kindern erheblich ein, 40 % reduzieren ihn zumindest teilweise.

    Um opportunistische Infektionen zu vermeiden, werden HIV-positive Eltern von den Ärzten vor Körperkontakt mit ihren Kindern gewarnt, wenn diese krank sind. Eine generelle Empfehlung, auf Körperkontakt zu verzichten, gibt es jedoch nicht. Die Wissenschaftler hoffen, dass weitere Aufklärungsarbeit dazu beiträgt, dass die Betroffenen besser über die Übertragungswege informiert sind.

    Quelle: Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine

    hiv-info.de Meldung vom 11. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Keine Neugeborenen in Henan mit AIDS-Virus infiziert

    Anderthalbjährige Beobachtungen und AIDS-Virus-Prüfungen bei 17 Neugeborenen von HIV-infizierten Müttern in der zentralchinesischen Provinz Henan haben ergeben, dass kein einziger Neugeborener infiziert ist.

    Wie zu erfahren war, sind im vergangenen Jahr in Henan über 10 Mio. Yuan RMB in ein entsprechendes Projekt geflossen, um eine Weitergabe von AIDS-Virus von Müttern an Kinder zu stoppen. Dabei wurden an 270.000 Frauen AIDS-Virus-Prüfungen vorgenommen und an 130 Schwangeren mit positiver Reaktion kostenlos entsprechende Stopp-Maßnahmen unternommen.

    China Internet Information Center - Meldung vom 9. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Australische Wissenschaftler entwickeln neue Methode im Kampf gegen HIV

    Australische Wissenschaftler haben eine entscheidende Entdeckung im Kampf gegen AIDS gemacht. Mit einer neuen, einfachen und sicheren Methode wird das Immunsystem des Körpers gegenüber tödlichen Viren, wie HIV, gestärkt. Die Methode ist sogar bei Medikamenten-resistenten Formen der Krankheit wirksam.

    Laut Associate Professor Stephen Kent vom Department of Microbiology and Immunology an der University of Melbourne geben die Forschungsergebnisse Anlass zu großer Hoffnung: "Wir haben eine einfache Methode erfunden, die die Fähigkeit des Immunsystems stärkt, gegen chronische Infektionen wie AIDS oder Hepatitis C anzukämpfen. Dabei wird das Blut des Patienten mit kleinen überlappenden Proteinen des Virus, genannt Peptide, behandelt", so Professor Kent.

    Die Therapiemethode wurde von den Forschern Overlapping Peptide Pulsed Autologous Cells (OPAL) getauft. Die Technik soll nun in Studien mit Menschen weiter erforscht werden. "Die Möglichkeit, eine immunologische Abwehrreaktion gegenüber den meisten oder allen Bereichen des Virus einzuleiten und zu stärken, birgt viele Vorteile. Unsere Forschungsergebnisse haben regelmäßig eine stark verbesserte Immunität in geimpften Tieren gezeigt, was nahe legt, dass diese Therapie auch beim Menschen erfolgreich sein könnte."

    Das Forscherteam um Professor Kent war ursprünglich angetreten, um eine Methode zum Messen der Effektivität eines HIV Impfstoffes zu entwickeln. Sie entnahmen Blut von zuvor geimpften Tieren und überzogen die Zellen mit HIV Peptid Markern.

    Normalerweise, wenn HIV oder ein anderes Virus eine Zelle infiziert, lassen diese Marker oder Peptide auf der Zelloberfläche zurück und teilen so dem Immunsystem mit, dass die Zelle infiziert ist. In ihrer Studie infizierten die Wissenschaftler die Tiere allerdings nicht mit HIV sondern schufen lediglich die Illusion einer Infektion aufgrund der Peptide auf der Zelloberfläche. Bei der Injektion dieses Peptid-überzogenen Blutes zurück in den Körper der geimpften Tiere löste dieses eine sehr starke immunologische Abwehrreaktion aus. "Als wir die HIV Immunität in den Wochen nach dieser Behandlung überprüften, hatte sich eine deutlich verbesserte Virus-spezifische Immunität eingestellt", erläutert Professor Kent.

    "Die gleiche Technik zeigte sich auch bei der Stärkung der immunologischen Abwehrreaktion gegen Hepatitis C Peptide erfolgreich und wir glauben, dass die Methode auch für viele andere Virusinfektionen und Krebsarten angepasst werden kann", so Kent. "Wir konnten darüber hinaus zeigen, dass diese Methode angewendet werden kann, um bei Medikamenten-resistenten Formen von HIV eine Immunreaktion herbeizuführen." Laut Professor Kent ist die OPAL Technik deutlich einfacher in der Anwendung als gegenwärtige Impfmethoden, die für gewöhnlich die Isolierung seltener spezialisierter Zellen aus dem Blut erfordern.

    Weitere Informationen in englischer Sprache:
    Assoc. Professor Stephen Kent
    Tel.: +61-3-8344 9939 Mobil: +61-438 290 994
    Email: skent@unimelb.edu.au
    Weitere Informationen: http://www.ranke-heinemann.de

    uni-protokolle.deNachrichten vom 8. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Neues zum "Super-AIDS-Virus"
     

    Erstmals fundierte Informationen zu dem New Yorker AIDS-Fall auf der CROI veröffentlicht

    von Christian Hoffmann

    Hamburg - Der New Yorker AIDS-Fall hält die medizinische Welt weiter in Atem. Nach dem Wirbel im Anschluss an die Pressekonferenz vom 11. Februar (HIV.NET berichtete) konnte zunächst über die medizinischen Details nur spekuliert werden. Nun wurden auf der letzte Woche zu Ende gegangenen Retroviruskonferenz (CROI) aus der Gruppe um David Ho am Aaron Diamond AIDS Research Center erstmals konkrete und wissenschaftlich fundierte Informationen mitgeteilt (Markowitz 2005). Das komplette Poster ist inzwischen unter http://www.champnetwork.org/media/poster.pdf einsehbar.

    Es sei hier kurz zusammengefasst: Es handelt sich bei dem Patienten um einen im Mai 2003 noch HIV-negativ getesteten Mann, der im November 2004 Fieber und Krankheitsgefühl entwickelte und schließlich Mitte Dezember 2004 HIV-1-positiv getestet wurde. Die CD4-Zellen waren zu diesem Zeitpunkt bereits unter 100 CD4-Zellen/µl abgefallen. Zusätzlich bestand Müdigkeit und Gewichtsverlust. Obwohl es noch nicht zu einer opportunistischen Infektion gekommen war, lag nach der amerikanischen Klassifikation somit bereits AIDS vor. Im Oktober 2004 bestanden zahlreiche sexuelle Risikokontakte. Obwohl sich auch im Labor einige Hinweise dafür ergaben, dass der Infektionszeitpunkt wahrscheinlich wirklich erst einige Wochen zurücklag, blieben die Forscher vorsichtig und schätzten die Infektionsdauer des Mannes konservativ auf 4-20 Monate (seit dem letzten negativen Test).

    Im Verlauf der letzten Wochen bis zum bislang letzten Follow-Up Anfang Februar 2005 blieben die CD4-Zellen (auch die CD4/CD8-ratio) in sehr niedrigen Bereichen von unter 50 CD4-Zellen/µl. Dieser rasche Progress nach so wenigen Monaten kommt zwar vor, ist jedoch normalerweise bei weniger als 0.5 % der Patienten zu beobachten. Die CD4-Zellen waren nicht nur im peripheren Blut, sondern auch in Biopsaten aus dem Gastrointestinaltrakt massiv vermindert.

    Der Das Virus wurde daraufhin sehr genau untersucht. Es handelt sich um Subtyp B mit einer gegenüber dem Wildtyp mindestens normalen replikativen Fitness (136 %), und das trotz multipler (> 20) Resistenzen gegen drei Wirkstoffklassen - nur gegenüber Efavirenz und T-20 bestand Empfindlichkeit. Das Virus zeigte einen dualen Tropismus für CCR5 und CXCR4 (Syncytium-induzierende Variante) - üblicherweise finden sich diese Viren nur in späten Stadien der Infektion.

    Auch der Patient wurde unter die Lupe genommen: Seit vielen Jahren weiß man, dass es vor allem so genannte Wirtsfaktoren bzw. genetische Polymorphismen sind, die den individuellen Verlauf der Infektion günstig oder ungünstig beeinflussen. Es fanden sich bei dem Patienten jedoch bislang weder Besonderheiten hinsichtlich des Rezeptorstatus noch lagen bestimmte HLA-Allele vor, die mit einem ungünstigen Verlauf der HIV-Infektion assoziiert sind. Zu betonen ist allerdings, dass vermutlich eine Vielzahl von Wirtsfaktoren bislang gar nicht bekannt sind. Viele Faktoren, die den individuell äußerst variablen Verlauf der HIV-Infektion beeinflussen, sind bislang ungeklärt.

    Die beiden entscheidenden Fragen konnte die Forschergruppe um David Ho und Martin Markowitz deshalb bislang nicht beantworten:
     

    • Liegt hier tatsächlich ein besonders aggressives Virus vor oder hat der Patient eine (noch nicht entdeckte) ungünstige Prädisposition, die zu der raschen Progression führte?
    • Liegt hier ein Einzelfall vor oder sind inzwischen mehrere Menschen mit diesem Virus infiziert?


    Die erste Frage wird vermutlich auch in naher Zukunft nicht umfassend beantwortet werden können. Für die Beantwortung der zweiten Frage sind weitere Untersuchungen notwendig. Angesichts der zahlreichen sexuellen Kontakte des Patienten werden sich wahrscheinlich auch andere Patienten mit dem multiresistenten Virus infiziert haben. Ob es auch bei diesen Patienten zu den verheerenden immunologischen Folgen wie in dem New Yorker Patienten gekommen ist, wird sich vermutlich bald zeigen. Solange dies nicht bekannt ist, sollte dieser Fall, wie bereits im ersten Artikel erwähnt, vielleicht auch Anlass geben, wieder mehr über das gerne vernachlässigte Thema der Prävention zu reden: Die Übertragungswege von HI-Viren, egal wie resistent oder aggressiv, bleiben die gleichen!

    Literatur:
    Markowitz M, Mohri H, Mehandru S, et al. A case of apparent recent infection with a multi-drug resistant and dual-tropic HIV-1 in association with rapid progression to AIDS. Abstract 973B, 12th CROI 2005, Boston. http://www.champnetwork.org/media/poster.pdf

    HIV.NET Nachrichten vom 6. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Nein der USA zu Spritzentausch behindert AIDS-Arbeit der UN

    Gruppen aus 56 Ländern kritisieren im Vorfeld der UN-Drogenkonferenz das Vorgehen der USA.

    New York – Bemühungen der USA, die Vereinten Nationen dazu zu zwingen, ihre Unterstützung für Spritzentauschprogramme einzustellen, gefährden den weltweiten Kampf gegen die Verbreitung von HIV, erklärte eine Gruppe von AIDS-Organisationen, Menschenrechtsgruppen, Wissenschaftern, und politischen Analysten aus 56 Ländern heute.

    Die Gruppen forderten die Vereinten Nationen auf, bei einer äußerst wichtigen internationalen Konferenz zum Thema Drogen, die nächste Woche in Wien abgehalten wird, nicht nachzugeben.

    "Die UN beim Thema Spritzenaustausch zum Schweigen zu bringen, ist tödliche Diplomatie," sagte Jonathan Cohen vom Human Rights Watch HIV/AIDS Programm, einer der Unterzeichner eines heute veröffentlichten offenen Briefes, der die Delegierten der UN Kommission für Betäubungsmittel dazu auffordert, dem Druck der USA nicht nachzugeben. "Die Vereinigten Staaten sollten bewährte Präventionsmethoden für HIV fördern, nicht angreifen."

    Die Vereinigten Staaten, die als einziges Land weltweit die Verwendung von staatlichen Geldern zur Unterstützung von Spritzentauschprogrammen verbieten, haben vor kurzem ihren Druck auf die UN erhöht, ihre Unterstützung für diese Strategie der HIV-Prävention aufzugeben. Nach einem Treffen mit einem Vertreter des US-Außenministeriums letzten November versprach der Leiter des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in einem weit verbreiteten Schreiben, "noch wachsamer" alle elektronischen und gedruckten Dokumente nach Verweisen auf "Schadensbegrenzung" durchzusehen – einem Begriff, der Spritzentausch und andere Maßnahmen umfasst, die den Schutz der Gesundheit von Drogenkonsumenten zum Ziel haben. Ein hoher Beamter des UNODC verschickte später eine E-Mail an andere Angestellte, sie sollten "sicherstellen, dass jeglicher Bezug auf Schadensbegrenzung und Spritzentausch in Dokumenten, Publikationen und Stellungnahmen der UNODC vermieden wird."

    Das UNODC hat derzeit den Vorsitz im gemeinsamen UN-Programm zu HIV/AIDS. Aufgrund dieser Tatsache halten Kritiker den Druck der USA auf das UNODC für besonders besorgniserregend.

    "Die am schnellsten anwachsenden Epidemien in der Welt werden durch den intravenösen Drogenkonsum verbreitet. Sterile Injektionsspritzen zur Verfügung zu stellen ist eine der wichtigsten, am besten bewährten Strategien, um sie einzudämmen," sagte Kasia Malinowska-Sempruch vom Open Society Institute, eine weitere Unterzeichnerin des offenen Briefes. "Es ist scharf zu verurteilen, dass die USA versuchen, die UN dazu zu zwingen, über eine der am besten untersuchten und effektivsten Maßnahmen zur Prävention von HIV zu schweigen."

    Intravenöser Drogenkonsum ist für die Mehrheit der HIV-Infektionen in China, Iran, Afghanistan, Nepal, dem Baltikum, und in ganz Zentralasien, sowie in weiten Teilen Südostasiens und Südamerika verantwortlich. In Russland, wo die Zahl der Infizierten die Zahl derer in Nordamerika überschritten hat, werden ganze 80% der Infektionen dem Konsum von intravenös injizierten Drogen zugeschrieben.

    Spritzentausch wird von führenden Organisationen in den Bereichen Wissenschaft, Medizin und öffentliche Gesundheit als eine wirksame Methode zur Prävention von HIV unterstützt, darunter die American Public Health Association und die Amerikanische Akademie der Wissenschaften. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt Spritzentausch. Gegner von solchen Programmen gehören denselben Gruppierungen von Gesetzgebern in den USA an, die sich gegen sexuell explizite HIV-Präventionskampagnen wenden und nicht bewährte Abstinenzprogramme befürworten.

    "Ob Geschlechtsverkehr oder Drogen, die USA exportiert ihre Abstinenzprogramme in Länder, die von HIV/AIDS schwer betroffen sind," sagte Joanne Csete, Direktorin des Kanadischen HIV/AIDS Legal Network. "Wenn die Regierungen sich nicht gegen diese Einschüchterungen wehren, werden Millionen den Preis dafür zahlen."

    Human Rights Watch ist eine unabhängige Nichtregierungsorganisation, die Menschenrechtsentwicklungen in über 60 Ländern weltweit beobachtet. Human Rights Watch hat zahlreiche Berichte veröffentlicht, die sich mit Verletzungen der Menschenrechte von Konsumenten von Injektionsdrogen befassen, durch die deren HIV-Infektionsrisiko erhöht wird.

    Das Ziel des Open Society Institute ist es, die öffentliche Gesetzgebung dahingehend zu beeinflussen, dass demokratisches Regieren, Menschenrechte sowie ökonomische, rechtliche, und soziale Reformen gefördert werden. Auf lokaler Ebene betreibt das OSI eine Reihe von Initiativen, um Rechtsstaatlichkeit, Bildung, öffentliche Gesundheit und unabhängige Medien zu unterstützen. Gleichzeitig arbeitete das OSI daran, über Staatsgrenzen hinweg Bündnisse zu schließen, die sich Themen wie dem Kampf gegen Korruption und Rechtsverletzungen widmen.

    Das kanadische HIV/AIDS Legal Network wurde 1992 gegründet, um in Kanada sowie international die Menschenrechte von HIV/AIDS Betroffenen oder Bedrohten durch Forschung, Rechts- und Gesetzgebungsanalysen, Bildung, Fürsprache, und Mobilisation auf Gemeindeebene zu verteidigen. Das HIV/AIDS Legal Network ist in Kanada die führende Organisation, die sich im Bereich HIV/AIDS mit rechtlichen und ethischen Fragen, so wie Fragen der Menschenrechts befasst.

    Human Rights Watch, Pressemeldung vom 3. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Nieren-Monitoring bei Leukozyturie unter Indinavir

    Aufgrund der renalen Nebenwirkungen unter Indinavir scheint bei erstmaliger Diagnose einer Leukozyturie auch ohne urologische Symptomatik ein Nierenmonitoring indiziert.

    Dr. Jeanne P. Dieleman von der Erasmus Universität in Rotterdam und Kollegen untersuchten Prävalenz, Risikofaktoren und Konsequenzen einer persistierenden Leukozyturie bei 184 HIV-Positiven unter Indinavir. Die Patienten wurden zwischen 1998 und 2000 alle drei Monate auf mögliche renale Nebenwirkungen infolge der Therapie mit dem Proteaseinhibitor untersucht.

    Bei 35 Prozent konnte bei zumindest einer Untersuchung eine Leukozyturie diagnostiziert werden, die mit einer milden Steigerung der Serumalbumin-Konzentration, einer Erythrozyturie und einer Kristallurie einherging. Risikofaktoren einer persistierenden Leukozyturie waren eine Indinavir-Plasmakonzentration über 9mg/l, ein Urin-pH über 5,7 und eine Kristallurie. Die Nierenfunktion sank mit der Dauer der Leukozyturie, ohne dass urologische Symptome auftraten.

    Die Wissenschafterschließen daraus, dass die Leukozyturie bei HIV-Positiven unter Indinavir häufig ist und ein regelmäßiges Nierenmonitoring bei Diagnose einer Leukozyturie indiziert ist.

    Quelle: J Acquir Immune Defic Sydr; 32: 135-142 (Abstract)

    MedAustria - AIDS News Line vom 3. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Aids belastet staatliche Krankenkasse

    Finanzministerin rechtfertigt Zusatzhaushalt für Behandlung von infizierten Staatsdienern.

    Windhoek - Finanzministerin Saara Kuugongelwa-Amadhila hat gestern den Umfang der finanziellen Belastung deutlich gemacht, die HIV/Aids für die staatliche Krankenkasse (PSEMAS) darstellt.

    ,,Es war sehr schwierig, einen Nachtragshaushalt vorlegen zu müssen, während unser Land mit einer Finanzknappheit konfrontiert ist", sagte sie im Parlament. Dort ist gestern der von ihr vorgelegte Ergänzungsetat in Höhe von N$ 65 Millionen verabschiedet worden, der vor allem zur Finanzierung von Medikamenten für aidskranke Staatsdiener bzw. ihre Angehörige bestimmt ist.

    Amathila zufolge sind der staatlichen Krankenkasse im Zeitraum zwischen Januar 2004 und Dezember 2004 Kosten in Höhe von rund N$ 40,5 Millionen für die medizinische Behandlung von aidskranken Versicherten entstanden. Diese Summe schließe nicht nur die Kosten von Aids-Medikamenten, sondern auch Ausgaben für Arznei gegen Folgekrankheiten wie Lungenentzündung und Tuberkulose ein, die von HIV begünstigt würden.

    Abgesehen von den Medikamenten-Kosten der HIV-infizierten Mitglieder müsse die PSEMAS auch deren andere Ausgaben zurückerstatten, die durch Krankenhausaufenthalte, ärztliche Untersuchungen und Beratungsgespräche entstünden. Demnach seien die Ausgaben der staatlichen Krankenkasse für aidskranke Mitglieder etwa 3,2 Mal höher als die für HIV-negative.

    So gebe die PSEMAS durchschnittlich N$ 17.616 im Jahr für die Krankenversicherung von HIV-infizierten Mitglieder und nur N$ 5.352 zur Kostenrückerstattung von HIV-negativen Angehörigen der staatlichen Krankenkasse aus. Demnach beliefen sich die bei der PSEMAS eingereichten Ansprüche auf mehr als die N$ 65 Millionen die im Zusatzhaushalt nun bewilligt wurden.

    Zu dem Vorwurf, der Zusatzetat stelle eine Form der Krisenverwaltung da, erklärte Amadhila, ihr Ministerium habe die genauen Auswirkungen von HIV/Aids auf den Staatshaushalt nicht genau abschätzen und deshalb auch nicht für die finanziellen Konsequenzen exakt planen können. Dies habe unter anderem damit zu tun, dass viele der Betroffenen ihre Infektion geheim hielten und anderen ihr HIV-Status nicht bekannt sei. Ohne zuverlässige Statistiken habe das Finanzministerium folglich nicht frühzeitig vorhersagen können, welche Kosten die Behandlung infizierter Staatsdiener verursachen werde.

    Amadhila teilte ferner mit, dass die namibische Regierung im Januar N$ 10 Millionen von dem Global Aids Fund erhalten habe, mit denen das Gesundheitsministerium den Bau von Büros, den Kauf von Fahrzeugen und die Rekrutierung von Personal bezahlen wolle, die sich an der Kampagne gegen die Pandemie beteiligen würden. Im April werde der World Aids Fund weitere Gelder bereitstellen, mit denen über die nächsten 18 Monate rund 50 Prozent der Aids-Medikamente finanziert werden sollten, die mittellosen Einwohnern ohne Krankenkasse vorbehalten seien. (Marc Springer)

    Hintergrund:
    Rund 75 Prozent der Namibier haben nach wie vor keinen Krankenversicherungsschutz. Das geht aus dem Geschäftsbericht der NAMFISA (Namibia Financial Institutions Supervisory Institution) für das Jahr 2004 hervor. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde waren im Jahr 2003 insgesamt 133.000 Personen als Mitglieder einer Krankenversicherung registriert. Zusammen mit ihren mitversicherten Angehörigen verfügen demnach 265.000 Personen oder 24 Prozent der offiziell 1,8 Millionen Einwohner Namibias über eine Form von Krankenversicherung. 49.437 der registrierten Mitglieder entfallen laut NAMFISA auf Mitglieder eines privaten oder firmeninternen Versicherungsfonds, 63.000 auf staatlich Versicherte im öffentlichen Dienst und 20.000 auf Individualversicherte. Der Grundsatz ,,Krankenversicherung für Alle" ist wichtiger Bestandteil von Namibias Entwicklungsplan ,,Vision 2030". Die Branche verzeichnete ein durchschnittliches Wachstum der Versicherten von jährlich vier bis acht Prozent.

    Allgemeine Zeitung Namibia vom 2. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Die Erfolgsbilanz von HAART

    London. Durch die Einführung der hoch aktiven antiretroviralen Therapie (HAART) ist das Vollbild Aids in Europa und Amerika selten geworden. Nur noch wenige Menschen sterben an der erworbenen Immunschwäche, wie eine aktuelle Auswertung der ART Cohort Collaboration in den Archives of Internal Medicine (2005; 165: 416-423) zeigt.

    Während in Afrika und zunehmend auch in Asien und Lateinamerika immer mehr Menschen an Aids sterben, bleibt dieses Schicksal vielen HIV-Infizierten in westlichen Ländern erspart. Der Grund liegt in der Kombinationsbehandlung mit mehreren antiretroviralen Substanzen, mit denen sich die Viruskonzentration bei den meisten Patienten unter die Nachweisgrenze senken lässt. Dies bedeutet keine Heilung und die Gefahr einer Resistenzentwicklung mit der Folge einer erneuten Virämie ist bei allen Patienten latent vorhanden, vor allem, wenn mit der Zeit die eigenmächtigen Pillenpausen zunehmen. Doch die Mehrheit der Patienten kommt gut mit der Therapie zurecht, wie die neuen Daten der ART Cohort Collaboration zeigen, die seit 1998 insgesamt 13 Kohorten aus Europa, darunter die “Frankfurter Kohorte”, und Nordamerika nachbeobachtet.

    Die jüngste Analyse bezieht sich auf Patienten, bei denen die Behandlung sofort mit einer HAART begonnen werden konnte, weil die Erkrankung erst nach 1997 diagnostiziert wurde, dem Jahr der Einführung der Kombinationstherapie HAART. Bei den 12.574 Patienten sind nach einem Nachbeobachtungsvolumen von 22.958 Personenjahren nur 928 Aids-Definierende Erkrankungen aufgetreten. Überwiegend waren dies virale (25,3 Prozent), bakterielle (24,6 Prozent) oder fungale (20,7 Prozent) Infektionen.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Aids kommt, ist seit der Einführung von HAART immer weiter gesunken. Die Inzidenz Aids-definierender Erkrankungen sank von 129,3 pro 1 000 Personenjahre in den ersten drei Monaten der Behandlung auf 13,2 pro 1.000 Personenjahre im dritten Jahr der Behandlung. Dieser Rückgang war vor allem auf das Vermeiden von viralen opportunistischen Infektionen zurückzuführen. Pilzinfektionen bleiben für die Patienten weiter eine Bedrohung. Ihr Anteil an den Aids-definierenden Erkrankungen betrug im dritten Jahr 37 Prozent.

    Die Entwicklung ist sehr positiv, was keinesfalls bedeutet, dass die Patienten ein sorgloses Leben führen können. Ein Aids-Tod ist noch immer möglich, zum Beispiel durch die viel gefürchteten HIV-Multiresistenzen. Doch von den 325 Patienten der Kohorte (2,6 Prozent aller Patienten), die bisher gestorben sind, starben 230 nicht an den Folgen von Aids. Ob diese Erfolge auch langfristig Bestand haben werden, ist aber keineswegs sicher.

    Ärzte-Zeitung vom 1. März 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    CD4 und VL als Surrogatmarker zuverlässig

    Werte aussagekräftig für Krankheitsverlauf.

    Die CD4 und Viruslast (VL)-Werte sind eine zuverlässiger Wert zur Bestimmung des Risikos für ein zukünftiges Auftreten einer AIDS-definierenden Erkrankung bzw. Todes bei HIV-Patienten, unabhängig von den eingesetzten Medikamenten. Das ist die Schlussfolgerung einer rückwirkend durchgeführten Studie auf Grundlage der EuroSIDA-Kohorts.

    Insgesamt wurden in der Studie die Daten von 6.814 Patienten, mit zusammen rund 23.000 Patientenjahren ausgewertet. Über den Beobachtungszeitraum wurden 779 AIDS-definierende Erkrankungen diagnostiziert, sowie 125 Todesfälle in der Kohorte registriert. Dabei war das Risiko für eine AIDS-definierende Erkrankung bzw. einen Todesfall direkt mit dem zuletzt gemessenen CD4 und VL-Werten bestimmbar. Auch bei Personen die eine Diagnose mit einem CD4-Wert von unter 200 CD4-Zellen/mm3hatten war der zuletzt gemessene Wert entsprechend aussagekräftig. Dabei stellten die Forscher fest, das es nicht wichtig war welche Medikamente die Betroffenen zuletzt einnahmen.

    Die Studie ist vor allem deswegen wichtig, weil sie die Aussagefähigkeit von CD4- und VL-Werten bekräftigen. Vor 1997 wurden antiretrovirale Medikamente nur dann Zugelassen wenn diese in klinischen Studien beweisen konnten das diese die Anzahl von AIDS-definierenden Erkrankung bzw. Todesfällen senkten. So wurden u.a. die heute noch weitläufig gebrauchten Medikamente Retrovir® (Zidovudin), Epivir® (Lamivudin) und Norvir® (Ritonavir) nur nach einem "direkten" Nachweis ihrer klinischen Wirksamkeit zugelassen.

    Seit 1997 wurden Medikamente zugelassen wenn diese eine entsprechend positive Wirkung auf die CD4- und VL-Werte nachweisen konnten, bzw. Medikamente konnten entsprechend auch durch einen "indirekten" Nachweis ihrer Wirksamkeit zugelassen werden. Dieses Verfahren verkürzte die Zulassungs- und Nachweisverfahren erheblich. Unter diesem Verfahren wurden unter anderem die häufig benutzten Medikamente Sustiva® (Efavirenz), Viracept® (Nelfinavir), Ziagen® (Abacavir) und Viramune® (Nevirapin) zugelassen.

    Diese Studie beweist nun unter anderem, dass das Verfahren sicher ist, und das die durch einen "indirekten" Nachweis zugelassen Medikamente ebenso wirksam sind wie die Medikamente die auf der Grundlage eines direkten klinischen Nachweises zugelassen wurden. Ebenso wird die Aussagekraft von CD4- und VL-Wert weiter unterstrichen.

    Olsen C.H. et al.: Risk of AIDS and death at given HIV-RNA and CD4 cell counts, in relation to specific antiretroviral drugs in the regimen. AIDS, 19: 313 – 330, 2005.

    LHIVING.com Meldung vom Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Experimentelle HIV-Präparate an der CROI

    Proteasehemmer für Patienten mit beschränkter Behandlungswahl erforscht.

    Die Wissenschaftler von Tibotec Pharmaceuticals Ltd. Präsentierten Daten über verschiedene neue Präparate zur Behandlung von HIV/AIDS an der 12. Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI), vom 22.-25. Februar in Boston, Massachusetts, USA.

    Tibotec präsentierte die Zwischenresultate von Phase IIB mit TMC114, einem Proteasehemmer (PI, protease inhibitor) der an stark vorbehandelten Patienten untersucht wird. Ferner zeigte Tibotec die ersten klinischen Resultate eines neuen nicht nukleosidalen Retrotranskriptasehemmers (NNRTI) unter der Bezeichnung TMC278 sowie Daten von einer neuen Klasse von nukleotidkompetitiven Retrotranskriptasehemmern (NcRTIs).

    Das Unternehmen entwickelt auch ein Präparat zur Behandlung von Tuberkulose, einer beträchtlichen, opportunistischen Infektion im Zusammenhang mit HIV/AIDS. Darüber hinaus stellte das Unternehmen der International Partnership on Microbicides eine gebührenfreie Lizenz aus für TMC120, das als topische Methode zur Vorbeugung von HIV untersucht wird.

    TMC114, ein neuartiger Proteasehemmer, zeigte Wirksamkeit nach 24 Wochen bei stark vorbehandelten Patienten.

    Die Daten von einer 24-wöchigen Zwischenanalyse von zwei randomisierten Phase-IIB-Studien (Dosisfindung) zu TMC114 verstärkt mit Ritonavir (TMC114/RTV) in Patienten vorbehandelt mit mindestens drei Klassen von Antiretroviralen und einer oder mehreren primären PI-Mutationen zeigten eine mittlere Reduktion des Plasma HIV RNA von -1.85 log(10) in der Gruppe mit der höchsten Dosierung, 600mg/100mg BID, verglichen mit einer Reduktion von -0.27 log(10) bei der Kontrollgruppe. Die Probanden wurden randomisiert für die optimierte Basistherapie (OB) und eine von vier Dosen von TMC114/RTV (400mg/100mg QD, 800mg/100mg QD, 400mg/100mg BID, 600mg/100mg BID) oder OB mit von den Forschern bestimmten Kontroll-PI(s). Die Zwischenanalyse wurde durchgeführt, nachdem 150 Probanden die 24 Wochen erreichten in jeder der beiden Studien. Gesamthaft wurden 497 Probanden in die Analyse mit einbezogen.

    Nach 24 Wochen betrug der prozentuale Anteil der Probanden, deren Virenmenge nicht mehr festzustellen war (<50 Kopien/ml) zwischen 30 und 47 % bei der TMC114/RTV-Gruppe, verglichen mit 10 % bei der Kontrollgruppe. Die häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen und Diarrhö. Diese lagen bei 17 % beziehungsweise 14 % bei den TMC114/RTV-Gruppen, verglichen mit 23 und 20 % bei den Kontrollgruppen. Diese Studien werden bis Woche 96 weitergeführt.
    Basierend auf den 24-Wochen-Resultaten wurde die TMC114/RTV-Dosis für die stark vorbehandelten Patienten in den Phase-III-Studien auf 600mg/100mg BID festgesetzt.
    "Die größte Herausforderung bei der Behandlung von HIV in den USA besteht im Entdecken von neuen Präparaten, die bei Patienten mit resistenten Virenstämmen wirksam sind. TMC114 wurde entwickelt, um diese resistenten HIV-Viren zu bekämpfen. Obwohl weitere Tests nötig sind, sind diese Resultate von den stark vorbehandelten Patienten ermutigend", sagte Dr. Richard Haubrich von der University of California in San Diego, Kalifornien, der die Ergebnisse an der CROI präsentierte.

    Erste klinische Resultate über die antivirale Wirkung von TMC278 aus einer kurzzeitigen Studie

    Eine 7-tägige dosissteigernde, Placebo-kontrollierte, Proof-of-Principle Phase-IIA-Studie wurde mit 47 männlichen antiretroviral-naiven Probanden durchgeführt. Vier Dosierungen TMC278 (25mg, 50mg, 100mg und 150mg) wurden mit Placebo verglichen. Die Reduktionen des Viral Load betrugen -1.3, -1.2, -1.1, -1.2 log(10) bei den TMC278-Gruppen beziehungsweise -0.002 log(10) bei der Placebo-Gruppe.

    Während der Behandlung mit TMC278 wurden keine mit NNRTI-Resistenz zusammen hängende Mutationen bestimmt in dieser 7-tägigen Proof-of-Principle-Studie. In-vitro-Studien zeigten, dass TMC278 äußerst aktiv ist gegen die meisten NNRTI-resistenten klinischen Isolate. Multinationale Phase-IIB-Studien zur Dosisfindung werden im Frühling 2005 gestartet.
    NcRTIs - Nukleotid-kompetitive Retrotranskriptasehemmer

    Die Wissenschaftler von Tibotec berichteten auch über die In-vitro-Aktivitäten einer neuen experimentellen Klasse von Retrotranskriptasehemmern, von denen man annimmt, dass sie sich von nukleosidalen Retrotranskriptasehemmern (NRTIs) und nicht-nukleosidalen Retrotranskriptasehemmern (NNRTIs) unterscheiden. Obwohl strukturell nicht verwandt mit den Nukleosiden (oder Nukleotiden), hemmen diese neuartigen Retrotranskriptasehemmer kompetitiv die Retrotranskriptase wie die Nukleosidanaloge, daher die Bezeichnung NcRTIs, Nukleotid-kompetitive Retrotranskriptasehemmer.

    "Mit drei antiretroviralen Präparaten in der Entwicklungsphase (TMC114, TMC125 und TMC278) sowie einem TB-Präparat (TMC207, auch bekannt als R207910) in der klinischen Studienphase, zeigen wir, wie sehr wir uns für neue Behandlungsalternativen für Patienten mit hohem ungedecktem, medizinischem Bedarf einsetzen", sagte Dr. Paul Stoffels, Präsident von Tibotec.

    Tibotec Pharmaceuticals Ltd. Pressemeldung vom 26. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV/AIDS bedroht menschliche Sicherheit
     

    Nach den jüngsten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Zahl der weltweiten HIV-Infektionen so hoch wie nie: 39,4 Millionen Menschen sind heute von dem Virus angesteckt.

    Nach den jüngsten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Zahl der weltweiten HIV-Infektionen so hoch wie nie: 39,4 Millionen Menschen sind heute von dem Virus angesteckt. Anlässlich des Welt- Aids-Tag verweisen Experten des BICC darauf, dass das Militär bei der Verbreitung der Seuche eine besondere Rolle spielt. Das BICC fordert deshalb Programme zur AIDS-Prävention beim Militär und spezielle Hilfsprojekte für HIV-Infizierte in Kriegs- und Konfliktregionen, die vor allem auch die Lage der betroffenen Frauen berücksichtigen.

    Die Zahlen der WHO belegen, dass - neben Ostasien und Osteuropa - Afrika südlich der Sahara den dramatischsten Zuwachs an Aids- Infektionen aufweist. Oftmals sind hier auch militärische Konflikte Ursache für die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit, vor allem auf Grund hoher HIV/AIDS-Infektionsraten bei den Kombattanten und wegen sexueller Übergriffe während eines Krieges. In vom Krieg zerrütteten Ländern wie etwa der Demokratischen Republik Kongo und Angola sind schätzungsweise 40 bis 60 Prozent der Kämpfer HIV infiziert.

    "Wenn es um HIV/AIDS geht, muss den Militärangehörigen besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden," betont Peter Croll, Geschäftsführer des BICC. Nicht nur, dass in zahlreichen Streitkräften die HIV/AIDS- Infektionsrate weitaus höher ist als in der Zivilbevölkerung - die Soldaten selbst sind ein wichtiger Faktor für die Ausbreitung des Virus, und zwar nicht nur in Kriegszeiten. So müssen bei der Demobilisierung nach dem Ende eines Konflikts auch infizierte ehemalige Kombattanten in ihre Heimatgemeinden wieder eingegliedert werden. Reintegrationsprogramme, die den Faktor HIV/AIDS ignorieren, verschlimmern dann möglicherweise sogar die Situation. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass auch Friedenstruppen nach Beendigung eines Konfliktes häufig zur Verbreitung von HIV/AIDS beitragen.

    Croll verweist auch auf die Gefahr der gesellschaftlichen Destabilisierung in Zusammenhang mit HIV/AIDS. Die Seuche bedeutet ein direktes Sicherheitsrisiko für die Menschen, denn neben Schwäche und Tod, zu denen es bei den Betroffenen führt, verstärkt es indirekt auch die Unsicherheit, indem es die sozialen Strukturen der Gesellschaft zerstört. Familien, Clans, Gemeinschaften und letztlich sogar wirtschaftliche und sozio-politische Institutionen werden "infiziert". Dazu gehören auch das Militär und die Polizei, deren Auftrag es ja gerade ist, für Sicherheit zu sorgen. Besorgnis erregend sei, dass bei den Streitkräften und der Polizei etlicher Länder Afrikas HIV/AIDS die Hauptursache von Dienstunfähigkeit und Tod darstellt.

    "Die Auswirkungen von HIV/AIDS auf die menschliche Sicherheit sind in den Hintergrund gerückt," bedauert Croll. Zu den komplexen Zusammenhängen zwischen HIV/AIDS und Sicherheit sei bisher nur sehr wenig geforscht worden. In den vorhandenen Studien werde das Thema entweder ignoriert oder es wird generell ein verheerendes Bild des totalen Chaos gezeichnet. Regierungen, Entwicklungshilfeorganisationen und die Konfliktforschung müssten dem Zusammenhang von Militär und der Verbreitung von HIV/AIDS mehr Aufmerksamkeit schenken und in Ländern wie Malawi, Demokratische Republik Kongo und Angola aber auch in Konfliktgebieten Zentral- und Ostasiens entsprechende Programme implementieren. Diese Projekte sollten insbesondere die Situation von Frauen berücksichtigen, die nach Angaben der WHO nicht nur die Hauptbetroffenen, sondern laut UN-Generalsekretär Kofi Annan auch die "mutigsten und kreativsten Kämpferinnen gegen HIV/AIDS" seien.

    "Auch für die Bekämpfung der weltweiten Seuche AIDS gilt - wir brauchen eine andere Prioritätensetzung," lautet das Facit von Croll. "Solange die großen Industriestaaten aber den Bereich 'Sicherheit' verengt betrachten und riesige Mittel in Militärausgaben statt in die Lösung globaler Sicherheitsrisiken investieren, wird HIV/AIDS die Welt weiterhin existenziell bedrohen."

    Arzt Spezial, Ausgabe Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Virologen bringen HI-Virus zum Leuchten

    Bessere Untersuchungsmöglichkeit des Infektionsverlaufs.

    Heidelberg - Wissenschaftler des Heidelberger Universitätsklinikums ist es erstmals gelungen, HI-Viren für visuelle Untersuchungen zu markieren, ohne die funktionellen Eigenschaften des Erregers zu hemmen. Mit Hilfe fluoreszierender Proteine konnten die Forscher das Virus genauer beobachten, berichtet das deutsche Krebsforschungszentrum http://www.dkfz.de.

    Die Markierung macht es möglich, das Verhalten der Viren beim Eintritt in die Wirtszelle, bei der Virusvermehrung und beim Zellaustritt zu beobachten. Genau jene Schritte sind für das bessere Verständnis des Infektionsverlaufs von HIV wichtig. Moderne Bildgebungsverfahren erlauben Echtzeit-Beobachtungen von Virus-Zellinteraktionen. Viele dieser Untersuchungsmethoden erfordern die Markierung des jeweiligen Gegenstands des Interesses, etwa mit dem Grün-Fluoreszierenden-Protein (GFP), dessen genetischer Code in die Erbinformation eingeschleust wird. Dort wird das Markerprotein dann von der zelleigenen Maschinerie produziert und an die gewünschte Stelle angehängt, wie die beiden Virologen aus der Arbeitsgruppe von Hans-Georg Kräusslich gemeinsam mit Hanswalter Zentgraf entdeckt haben.

    Bisher hatten Wissenschaftler schon mehrfach versucht die Interaktion des HIV mit der Wirtszelle mit GFP zu markieren. Allerdings waren diese Versuche negativ verlaufen, da die genetischen Modifikationen die Bildung von Viruspartikeln zu stark verändert hatten und dadurch die Aussagekraft der Ergebnisse eingeschränkt haben. Die Heidelberger Wissenschaftler haben nun im Strukturmolekül der Viruskapsel einen Bereich entdeckt, der die gravierende Verlängerung durch das GFP toleriert. Der Einbau des GFP Moleküls vergrößert das HIV Strukturprotein um etwa die Hälfte. Dennoch werden noch infektiöse Viren gebildet. Die Gruppe von Zentgraf konnte mittels Elektronenmikroskopie nachweisen, dass Aussehen und Gestalt der so kreierten Viruspartikel vom normalen HIV nicht zu unterscheiden sind. Durch gleichzeitige Herstellung von GFP-verlängertem und normalem Strukturprotein gelang es im Fluoreszenzmikroskop sehr gut sichtbare HI-Viren mit mehreren Tausend GFP Molekülen herzustellen, die genauso infektiös waren wie HIV ohne GFP. Damit ist ein wesentlicher Schritt getan, um die Dynamik der HI-Virusinfektion besser verstehen zu können.

    Pressetext Deutschland vom 24. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    HIV-Infektionen werden in Österreich oft zu spät erkannt

    Die Entwicklung der HIV-Infektionen in Österreich im Jahr 2004. Eindeutige Symptome werden nicht näher abgeklärt. Zahl der Aids-Kranken ist im vergangen Jahr gestiegen.

    Elisabeth Puchhammer-Stöckl

    Die jährliche Zusammenfassung der HIV-Daten in Österreich zeigt, dass im Jahr 2004 die Anzahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus im Vergleich zu den Vorjahren wieder erhöht war (Tabelle 1, siehe Link). Diese jährlichen Anstiege sind zwar nicht dramatisch, beruhen aber wahrscheinlich doch auf einer stetig zunehmenden Sorglosigkeit im Hinblick auf das Risiko einer HIV-Infektion.
    Im letzten Jahr haben wir versucht herauszufinden, wie häufig in Österreich bereits frühzeitig, innerhalb der ersten Monate nach dem Infektionszeitpunkt, HIV-Infektionen diagnostiziert wurden. Wir haben zu diesem Zweck Erstdiagnoseseren aus den letzten Jahren auf das Vorhandensein niedrig avider HIV-Antikörper untersucht. Diese noch nicht so stark an das Antigen bindenden Antikörper sind nur innerhalb der ersten sechs Monate nach einer erfolgten Virusinfektion nachweisbar. Mit dieser sogenannten Aviditätstestung kann man also mit hoher Wahrscheinlichkeit frische Infektionen innerhalb der letzten sechs Monate von länger zurückliegenden Virusinfektionen unterscheiden. Dieses Testprinzip wird bei uns routinemäßig auch zur Bestätigung von rezenten Infektionen mit dem Rötelnvirus oder dem Epstein Barr Virus eingesetzt.

    Die Ergebnisse, die wir nun bei der Untersuchung von niedrig aviden HIV-Antikörpern erhielten, waren bedrückend (Puchhammer-Stöckl et al., JCM 43,2005). Nur 27% aller HIV-Infektionen wurden innerhalb der ersten 6 Monate nach Infektion diagnostiziert. Deutliche Unterschiede wurden dabei aber zwischen den jeweiligen Risikogruppen gesehen. Während immerhin 40% der auf homosexuellem Weg infizierten Männer frühzeitig als HIV-positiv identifiziert wurden, war das bei nur ca 17%(!) der heterosexuell infizierten Personen der Fall. Das bedeutet, dass bei der heterosexuellen Bevölkerung das Bewusstsein des HIV-Infektionsrisikos immer noch extrem niedrig ist und hier dringender Bedarf nach weiterer Information der Bevölkerung besteht. Aber nicht nur die Patienten selbst, auch Ärzte scheinen das Risiko einer HIV-Infektion oft nicht zu bedenken. Internationale Berichte zeigen, dass viele Patienten mit den oft unklaren Symptomen einer primären HIV-Infektion sehr wohl ihren Arzt aufsuchen, diese Symptome jedoch nicht weiter auf HIV abgeklärt werden. HIV-Infektionen werden dann oft erst im Spätstadium diagnostiziert, wenn erstmals AIDS Indikatorerkrankungen auftreten. Die meist späte Diagnostik einer HIV-Infektion in der heterosexuellen Population begünstigt sicherlich die weitere Verbreitung des Virus in dieser Bevölkerungsgruppe.

    Wie sehr bestimmte Annahmen von Ärzten betreffend ihre Patienten die HIV-Diagnostik auch in anderer Hinsicht beeinflussen können, ist aus einer Studie in den USA ersichtlich, in der kürzlich aufgezeigt wurde, dass bei schwarzen Patienten eine HIV-Infektion wesentlich öfter frühzeitig diagnostiziert wurde als bei der weißen Bevölkerung. Die Ärzte hatten offenbar schwarze Personen, die mit den Symptomen einer Primärinfektion zu ihnen kamen, viel häufiger mit dem Risiko einer HIV-Infektion assoziiert.

    In Tabelle 2 (siehe Link) sind wieder die Daten für die einzelnen Bundesländer, gemeinsam mit den vom Bundesministerium mitgeteilten Todesfällen zusammengefasst. Nach diesen Zahlen müssten derzeit knapp über 8000 HIV-positive Personen in Österreich leben. Die tatsächliche Zahl ist aber sicher geringer, da die nicht AIDS assoziierten Todesfälle hier ebenso wenig berücksichtigt sind wie HIV-positive Personen, die zwar in Österreich als HIV-infiziert erkannt wurden, aber nicht in Österreich leben. Nach einer gemeinsamen Schätzung der Hauptbehandlungszentren für HIV-Infektionen in Österreich, dem Otto Wagner Spital in Wien, den Universitäten Wien, Innsbruck und Graz und dem AKH Linz leben derzeit vermutlich maximal 6000 HIV-infizierte Personen in Österreich.

    Wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist, enthält die Tabelle 1 nur mehr Angaben über das Jahr der erfolgten AIDS-Erkrankung, aber nicht mehr über das Jahr der Meldung. Dadurch sollen Missverständnisse, die im Vergleich zwischen Meldungs- und Erkrankungsdaten immer wieder aufgetreten sind in Zukunft vermieden werden.

    Virus-Epidemiologische Information 2005-04 - Pressemeldung vom 24. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Unsichere Injektionen kein maßgeblicher Grund für HIV-Infektion

    Widerlegung bisheriger Behauptungen.

    London/Harare - Injektionen mit dreckigen oder verunreinigten Nadeln tragen nicht zur Ausbreitung von HIV in Schwarzafrika bei, so die These einiger Forscher des Imperial College London http://www.ic.ac.uk und des Biomedical Research and Training Institute in Simbabwe http://www.brti.co.zw. Bisher wurde angenommen, dass diese Injektionen ein Hauptfaktor für die Verbreitung von HIV sind, berichtet Public Library of Science http://www.plos.org.

    "Es wurde angenommen, dass unsichere medizinische Injektionen die Verbreitung von HIV in vielen Ländern Schwarzafrikas vorantreiben. Nach unseren Untersuchungen können wir die Injektionen getrost als Hauptübertragungsweg ausschließen", so Ben Lopman vom Imperial College. Dabei beziehen sich die Forscher vor allem auf das ländliche Simbabwe. Die Wissenschaftler analysierten Daten der Manicaland HIV/STD Prevention Study. Bei dieser Studie wurden 1.847 Männer und Frauen im Alter von 15 bis 54 während drei Jahren beobachtet. Dabei wurde unter anderem auch festgehalten, ob die Testpersonen medizinische Injektionen oder Nadelstiche erhalten hatten. In diesen drei Jahren hatten 40,3 Prozent eine Injektion bekommen. Aber diese Personen infizierten sich nicht öfter mit HIV als jene, die ohne Injektion geblieben waren. Trotz der steigenden Anzahl von Injektionen, die mit Kinderkriegen oder Schwangerschaft zusammenhängt, konnte keine Verbindung zu einem erhöhten Risiko einer HIV-Infektion hergestellt werden.

    Simon Gregson vom Biomedical Research and Training Institute meint: "Klar, es ist möglich, dass man sich durch eine unsichere medizinische Injektion mit HIV infizieren kann. Aber unter der Bevölkerung von Simbabwe sind unsichere Injektionen kein maßgeblicher Grund für eine HIV-Infektion."

    Pressetext Austria vom 22. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Ein Moment, der das ganze Leben verändert

    Aids-Infotag an Goetheschule / "Zahl der Infizierten steigt".

    Neu-Isenburg - Drei gelbe Keith-Haring-Männchen vor rotem Hintergrund, das erste hält sich die Augen zu, das zweite die Ohren, das dritte den Mund. "Ignoranz kann tödlich sein" ist darüber zu lesen: Der Beginn eines Vortrags an der Goetheschule zum Thema Aids. Auf Einladung der Schülervertretung waren Michaela Bracone vom Universitätsklinikum Frankfurt und Jürgen Götz, Mitbegründer der Aids-Aufklärungsgruppe "ABC-Schützen" gestern zu Gast an dem Gymnasium. In zwei Blöcken informierten sie zunächst Schüler der Klassen acht und neun, im Anschluss dann Zehnt- und Elftklässler ausführlich über die Krankheit. Auch Betroffene standen den Schülern Rede und Antwort.

    Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen - diese Einstellung nehme offensichtlich zu, sagt Bracone. Rund 2.000 Menschen hätten sich allein 2003 bundesweit mit dem HI-Virus infiziert, 700 seien an den Folgen von Aids gestorben. Die Patientenstatistik an der Uniklinik Frankfurt habe von 2003 bis 2004 einen Anstieg der Neuinfizierten verzeichnet: "Eine Tendenz, die schon seit ein paar Jahren bemerkbar ist. Das Thema ist anscheinend aus den Köpfen geraten", so Bracone. "Anfang der 90er Jahre liefen noch viel stärkere Aufklärungskampagnen", ergänzt Jürgen Götz - und zeigt auf "Mach‘s mit"-Poster.

    "Nimmst du die Pille?", flüstert in einem Film ein junger Mann einer Frau in der Disco zu. Ein zwinkernder Blick zu seinen Kumpels, doch ihre Antwort überrascht: "Nein, ich muss schon genug Pillen schlucken." Und dann zeigen ein, zwei Zwischensequenzen, was das bedeutet: Sie ist HIV-positiv. Als sie ihn nun nach Kondomen fragt und er bejaht, ziehen beide ab, Hand in Hand. Unterlegt ist dieser Kurzfilm mit einem Song der Band "2raumwohnung" (Berlin), "Ein Moment verändert dein Leben". "Sowas sollten die mal im Fernsehen zeigen", sagt eine Schülerin zu ihrer Nachbarin.

    Über die Geschichte des HI-Virus informiert Bracone die Goetheschüler in ihrem Vortrag, über Infektionswege und die Therapie sowie über "Aids als globale Epidemie". Als Götz fragt, wie die Schüler denn verhüteten, sagen einige Mädchen, sie nähmen die Pille. Ob ihnen so ganz klar ist, dass diese nicht vor der Ansteckung schützt, bleibt offen. Mit dem ersten Freund, der ersten Freundin jedenfalls hält es offenbar kaum einer für notwendig, Kondome zu benutzen. Das allerdings kann unter Umständen fatal enden. Denn, wie eine junge HIV-infizierte Frau erzählt: Auf diese Weise habe auch sie sich angesteckt. Zwar sei es für sie die erste Beziehung gewesen, für ihn aber nicht.

    Betroffen reagieren die Schüler auf die Erzählungen der Erkrankten. Sie wollen wissen, wie teuer ein Aids-Test ist, wie lange es bis zu einem Ergebnis dauert. Beim Stadtgesundheitsamt in Frankfurt (Braubachstraße) koste der Test gar nichts (Anmerkung der Redaktion: seit 1.7.2000 - 15 €), antwortet Bracone. Man könne aber auch zu jedem Hausarzt gehen. In rund einer Woche liege das Ergebnis vor.

    Nach fast zweieinhalb Stunden Information bedanken sich die Jugendlichen bei ihren Gästen. Eine Schülerin: "Wir wissen zwar alle, was Aids ist und wie wir uns schützen müssen. Aber der Info-Tag hat uns doch erneut zum Nachdenken angeregt."

    Offenbach-Post vom 22. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Neuer Wirkstoff schützt Zellen vor HIV

    Gut verträglicher Hemmstoff des Chemokin-Rezeptors CCR5 auf Zellen wird bereits in diesem Sommer in der ersten Phase-3-Studie geprüft.

    London. Das HI-Virus braucht außer dem CD4-Rezeptor noch eine zusätzliche Andockstelle, einen Korezeptor, um in die Immunzelle eindringen zu können. Meist ist dies der Chemokin-Rezeptor CCR5, der mit dem neuartigen oral verabreichten CCR5-Antagonisten 873140 spezifisch gehemmt werden kann. Die Substanz befindet sich bereits in Phase 2 der klinischen Prüfung. Die Phase 3 soll noch in diesem Sommer starten.

    Obwohl mittlerweile 20 verschiedene HIV-1-Medikamente aus vier Substanzklassen zur Verfügung stehen, sind neue Therapie-Ansätze weiterhin nötig. Denn Resistenzen und Langzeitnebenwirkungen schränken die antiretrovirale Therapie häufig ein. "Eine vielversprechende Erweiterung der Therapiemöglichkeiten bieten Substanzen, die das Eindringen des Virus in die Wirtszelle verhindern können und damit auch dessen Vermehrung in der CD4-Zelle", betonte Dr. Graeme Moyle vom Westminster Hospital in London. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die Blockade des Chemokin-Rezeptors CCR5, denn ohne ihn kann das HI-Virus zwar an die CD4-Zelle binden, aber nicht in die CD4-Zelle eindringen.

    Dieses neue Prinzip - nicht das Virus, sondern die menschliche Wirtszelle ist Angriffsziel der Therapie - könne die Anzahl der HI-Viren im Blut effektiv senken, berichtete Moyle auf einer Veranstaltung des Unternehmens GlaxoSmithKline in London. Dies habe die Auswertung einer ersten Dosisfindungsstudie mit dem oralen CCR5-Rezeptorblocker 873140 des Unternehmens ergeben.

    Insgesamt 40 zuvor behandelte und zuvor nicht behandelte HIV-Patienten erhielten randomisiert und doppelblind einmal täglich 200 mg oder 600 mg oder zweimal täglich 200 mg oder 400 mg des Mittels oder Placebo. Die Viruskonzentration im Blut lag zu Beginn der Studie zwischen 17 400 und 45 700 HIV-RNA-Kopien. Nach zehn Tagen verringerte sie sich um bis zu 1,66 Log-Stufen, also um mehr als 95 Prozent.

    Die besten Ergebnisse wurden mit zweimal täglicher Dosierung erreicht: Mehr als eine Log-Stufe Reduktion, das heißt Verringerung um 90 Prozent der Virusmenge, konnte bei 75 Prozent der Patienten mit 200 mg und bei allen Patienten mit 600 mg gemessen werden. Es traten nur leichte gastrointestinale Beschwerden in den ersten drei Therapietagen auf.

    Mittlerweile läuft die Aufnahme von Patienten in zwei weitere Phase-2-Studien, an denen 300 bisher nicht behandelte Patienten teilnehmen sollen, wie Dr. Garrett Nichols vom Unternehmen mitteilte. In der einen Studie wird der CCR5-Antagonist in verschiedenen Dosierungen mit dem Proteasehemmer Lopinavir/r kombiniert. Als Kontrollgruppe dient Lopinavir/r plus die Nukleosidanaloga 3TC/AZT. In der anderen Studie wird die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Kombination des CCR5-Antagonisten plus 3TC/AZT geprüft, in der Kontrollgruppe der nichtnukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer Efavirenz plus 3TC/AZT. Die erste Phase-3-Studie mit zuvor intensiv behandelten Patienten soll im Sommer beginnen.

    STICHWORT

    CCR5-Rezeptor

    Der CCR5-Rezeptor gehört zu den Chemokin-Rezeptoren, die durch die äußere Hüllmembran reichen und auf Monozyten und T-Zellen vorkommen. Normalerweise vermitteln Chemokine wie RANTES und MIP-1-alpha eine Immunantwort von CD4-positiven Zellen auf Entzündungen, indem die Chemokine an den CCR5-Rezeptor binden. HIV-1 benutzt allerdings genau diesen Chemokin-Rezeptor auf den CD4-Zellen, um in deren Zellinneres zu gelangen und sich dort zu vermehren.

    Dafür sind mehrere Schritte nötig: Das Hüllprotein gp120 von HIV-1 dockt an den Rezeptor der CD4-Zelle an. Dadurch kommt es zu einer Konformationsänderung der beiden Proteine, und gp120 kann an den CCR5-Rezeptor binden. Erst danach ändert ein weiteres HIV-Protein, das Transmembranprotein gp41, seine Form, und die Membranen des Virus und der Wirtszelle können verschmelzen. Der CCR5-Antagonist 873140, der fast 200mal kleiner ist als der CCR5-Rezeptor selbst, bindet an den Rezeptor und zwingt diesen in eine Konformation, die verhindert, daß der Aids-Erreger andocken kann.

    Ärzte-Zeitung vom 21. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    "Gefahr aus dem Großstadt-Dschungel", "Super-AIDS" oder Panikmache?

    Was ist dran an dem New Yorker Fall?

    Ein Kommentar von Christian Hoffmann

    Hamburg - Wohl selten hat eine HIV-Infektion in den letzten Jahren für so viel Wirbel gesorgt wie der Fall eines ca. 40-jährigen New Yorkers, der sich offensichtlich amphetamin-benebelt auf einer so genannten Bare-Back-Party mit einem multiresistenten HI-Virusstamm infizierte und einige Wochen später bereits erkrankte. Die BILD-Zeitung hatte endlich mal wieder ihr "SUPER-AIDS", und sogar die Süddeutsche Zeitung titelte reißerisch mit "Gefahr aus dem Großstadt-Dschungel". In der Sprechstunde gab es jedenfalls in dieser Woche kaum einen Patienten, der nicht danach gefragt hat.

    Was ist also wirklich dran und neu an diesem Fall? Nicht neu ist zunächst einmal die Nachricht, dass multiresistente Viren grundsätzlich übertragen werden können. Warum auch nicht? Zwar ist die Transmission meistens nicht so effektiv und liegt wahrscheinlich etwa bei 20 % der Transmissionsrate des Wildtyps (Leigh Brown 2003), aber dass es prinzipiell klappt, ist vielerorts berichtet worden. In Deutschland liegt die Rate der resistenten Virusstämme bei neu infizierten Menschen zwischen 5 und 15 %. Viele Experten empfehlen inzwischen sogar Resistenztest vor dem Beginn der Therapie. Multiresistente Viren (MDR), die gegen mehrere Wirkstoffklassen resistent sind, waren bislang eher selten. Der HIV.NET-Redaktion sind jedoch seit Jahren mehrere Fälle aus deutschen Großstädten bekannt, in denen sich Menschen mit Viren infiziert haben, die tatsächlich Mutationen sowohl gegen Nukleosidanaloga, gegen NNRTIs und gegen Proteasehemmer aufweisen. Es dürfte kaum ein großes Zentrum in Deutschland geben, dass nicht inzwischen solche Patienten hat. Einen dieser Patienten haben wir vor einiger Zeit auf dem Deutschen AIDS-Kongress in Hamburg als Fallbericht vorgestellt (der Patient war übrigens auch schwer krank während der Primärinfektion). Sogar Superinfektionen mit MDR-Viren sind möglich (Brenner 2004). Bisher ist man davon ausgegangen, dass die replikative Fitness dieser MDR-Varianten im Vergleich zum Wildtyp reduziert ist (Brenner 2002). Auch bei unseren Patienten haben wir meist keine besonders hohe Viruslast gemessen, der Verlauf scheint zumindest nicht rasch progredient zu sein.

    Möglicherweise ist dies nun bei dem New Yorker Patienten nicht der Fall. Soweit bisher bruchstückhaft publik wurde, scheint die virale Replikationsfitness dieses MDR-Stammes dem Wildtyp zu entsprechen, zudem scheint das Virus ein CXCR4-tropes Virus zu sein - diese R4 Viren treten normalerweise erst in späten Stadien der Infektion auf.

    Doch wirft dieser Fall eine Reihe von Fragen auf. Leider fehlen wesentliche medizinische Informationen, um den Verlauf der Infektion richtig beurteilen zu können. In einem Fachjournal wurde der Fall bislang nichts publiziert, es existiert lediglich eine laien-adaptierte Pressemitteilung. Dort heißt es nur lapidar, im Oktober wäre ein Test noch negativ gewesen, im November habe sich der Mann krank gefühlt, im Dezember sei die HIV-Diagnose gestellt worden. In den Medien wird dies als "AIDS-Ausbruch" der Krankheit gewertet, der unerwartet früh stattgefunden habe. Unklar bleibt bislang, an welcher opportunistischen Infektion der Patient so wenige Wochen oder Monate nach der Infektion erkrankt ist. Oder sind es "nur" niedrige CD4-Zellen, die als AIDS-Diagnose gewertet werden? Die AIDS-Diagnose ist in den USA bekanntlich nicht nur definiert als das Auftreten bestimmter Erkrankungen, sondern umfasst auch Patienten, bei denen die CD4-Zellen unter 200/ul abgesunken sind. Über den genauen Verlauf der CD4-Zellen wurde leider kein Wort verloren, und leider haben es die Journalisten bei der Pressekonferenz vorletzte Woche auch versäumt, einige andere Fragen zu stellen. So können zum Beispiel eine Soor-Ösophagitis oder auch eine schwere Pneumonie im Rahmen einer akuten HIV-Infektion ohne weiteres stattfinden. Auch können die CD4-Zellen bei einer deutlichen Symptomatik sehr stark abfallen, manchmal sogar unter 200 Zellen/ul. Auch das alles wäre nicht unbedingt ungewöhnlich. Von Gewichtsverlust und hoher Viruslast war außerdem die Rede. Aber was ist daran neu? Viele Patienten sind auch in den ersten Wochen und Monaten der Infektion schon recht krank, klagen über Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl und Grippe-ähnliche Symptome. Mitunter kann sich diese Symptomatik über Monate hinziehen.

    Außerdem: Möglicherweise liegt der rasche Progress, wenn er denn in diesem New Yorker Fall wirklich stattfindet, nicht am Virus, sondern am Patienten selbst. Seit vielen Jahren weiß man, dass vor allem so genannte Wirtsfaktoren bzw. genetische Polymorphismen sind, die den individuellen Verlauf der Infektion günstig oder ungünstig beeinflussen (Fauci 1996, Tang 2003). Über HLA- und Rezeptorstatus des Patienten ist bislang nichts bekannt. Völlig unklar ist auch, ob sich dieser Mann, der offensichtlich seine Sexualpartner gleich im Dutzend abfertigte, nicht mit multiplen Virusstämmen infiziert hat. Einige Experten vermuten daher, dass es sich jetzt um ein rekombinantes Virus handeln könnte, bei dem sich die Multiresistenz und die replikative Fitness des Wildtyps sozusagen vereinigt haben. Aber dies sind Spekulationen, Untersuchungen dazu fehlen bislang.

    Und, last but not least: An den Übertragungswegen hat sich übrigens, selbst wenn es nun ein "Super-AIDS"-Virus ist, nichts geändert. Mag man auch vermuten, dass dieser Fall den Enthaltsamkeits-Fanatikern der Bush-Administration ein durchaus willkommener Anlass bietet, die Lebensweise bestimmter Menschen zu geißeln: Vielleicht sollte man diesen Fall tatsächlich auch einmal zum Anlass nehmen, sich über Bare-Back-Parties zu unterhalten.

    Literatur zum Thema:

    Blower SM, Aschenbach AN, Gershengorn HB, et al. Predicting the unpredictable: transmission of drug-resistant HIV. Nat Med 2001, 9:1016-20.
    Brenner B, Routy JP, Quan Y, et al. Co-Investigators of the Quebec Primary Infection Study. Persistence of multidrug-resistant HIV-1 in primary infection leading to superinfection. AIDS 2004, 18:1653-60.
    Brenner BG, Routy JP, Petrella M, et al. Persistence and fitness of multidrug-resistant human immunodeficiency virus type 1 acquired in primary infection. J Virol 2002, 76:1753-61.
    Colson P, Ravaux I, Yahi N, Tourres C, Gallais H, Tamalet C. Transmission of HIV-1 variants resistant to the three classes of antiretroviral agents: implications for HIV therapy in primary infection. AIDS 2002, 16:507-9.
    Fauci AS. Host factors and the pathogenesis of HIV-induced disease. Nature 1996, 384:529-34.
    Hecht FM, Grant RM, Petropoulos CJ, et al. Sexual transmission of an HIV-1 variant resistant to multiple reverse-transcriptase and protease inhibitors. N Engl J Med 1998, 339:307-11.
    Hoffmann C, Wolf E, Jaegel-Guedes E, Wildegger A, Jäger H. Persistenz genotypischer Resistenzmutationen nach Transmission multiresistenter Viren. Abstract P191, 9. Deutscher und 14. Österreichischer AIDS-Kongress Hamburg, 2003. Eur J Med Res 2003, 8 (Suppl I):79
    Leigh Brown AJ, Frost SD, Mathews WC, et al. Transmission fitness of drug-resistant human immunodeficiency virus and the prevalence of resistance in the antiretroviral-treated population. J Infect Dis 2003, 187:683-6.
    Little SJ, Holte S, Routy JP, et al. Antiretroviral-drug resistance among patients recently infected with HIV. N Engl J Med 2002, 347:385-94.
    Simon V, Hogan C, Louie M, et al. Frequency of Transmitted Drug Resistance and Identification of Phylogenetic Clusters in a Homogenous Cohort of Newly Infected Individuals. Abstract 504, 10th CROI, Boston, 2003
    Tang J, Kaslow RA. The impact of host genetics on HIV infection and disease progression in the era of highly active antiretroviral therapy. AIDS 2003, 17 Suppl 4:S51-60.

    HIV.NET Nachrichten vom 18. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Klinische Erprobung eines Impfstoffs gegen HIV/AIDS

    Der innovative Impfstoff wurde unter Federführung des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Universität Regensburg in dem "Europäischen Forschungsverbund Impfstoffentwicklung gegen HIV/AIDS" entwickelt. Bereits 2003/2004 wurde eine andere Komponente des Impfstoffs mit den gleichen Komponenten von HIV auf der Basis einer Vacciniavariante (NYVAC, sanofi-pasteur) entwickelt und im gleichen Verbund mit Erfolg klinisch geprüft.

    Mit fast 5 Millionen neu Infizierten und 3 Millionen Toten pro Jahr als Folge von AIDS ist diese Erkrankung eine der größten Bedrohungen unserer Zeit für die Menschheit. Sie ist dies aber nicht nur für Leib und Leben, sondern sie ist auch wesentlicher Faktor für den dramatischen Rückgang des Volkseinkommens von beispielsweise ca. 7 % in Subsahara-Afrika mit all seinen schwerwiegenden Folgen.

    Entwicklung der Forschung

    Die Entwicklung eines wirksamen und sicheren Impfstoffs ist daher eine der größten Herausforderungen an die Biowissenschaften. Seit 1996 fördert die EU zunächst eine kleine Forschergruppe mit Partnern aus Regensburg, den Niederlanden und China (CHIVAC), und seit 2000 erstmals einen großen Verbund von 21 Arbeitsgruppen aus Europa und China mit dem Ziel, durch sich ergänzende Expertise diese Entwicklung zu beschleunigen. "Diese Öffnung ist der einzige Weg rasch einen sinnvollen Vergleich unterschiedlicher Vakzine Varianten zu ermöglichen und die besten auszuwählen. Diese früh gewählte Strategie unterscheidet EuroVac von vielen anderen Initiativen auf dem gleichen Gebiet", sagt Prof. Dr. Hans Wolf von der Universität Regensburg.

    Aufbauend auf dem Verbreitungsmuster unterschiedlicher HIV-Varianten wurde die jüngste größere epidemiologische Ausbreitung in einem sehr großen Land - das ist China seit 1987 - ausgewählt, um klinisch relevante Virusisolate zu identifizieren und daraus Kandidaten zu entwickeln. Hierbei wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Wolf und Prof. Dr. Ralf Wagner von der Universität Regensburg einige neue Wege beschritten:

    Schaffung der Grundlagen

    Gemeinsam mit Prof. Dr. Yiming Shao vom Chinese Center for Disease Control and Prevention (CDC) erfolgte die gezielte Auswahl relevanter Viren als Ausgangsmaterial, die Berücksichtigung großer Teile der Bausteine dieser Viren bei der Zusammensetzung des Impfstoffs, um dem Immunsystem möglichst vielfältige Angriffsstellen zu bieten und ein "Entkommen" aus der Immunantwort nach Möglichkeit zu unterbinden. Schließlich mussten auch gute Trägersysteme gefunden werden, die es erlauben, die wesentlichen Bausteine des Erregers in großen Mengen im Labor - oder direkt im Körper von der als Bauplan dienenden Erbinformation DNS - abzulesen und dem Immunsystem zu präsentieren. Dabei war absolute Sicherheit eine wesentliche Voraussetzung. So musste beispielsweise dafür gesorgt werden, dass zwar wesentliche Teile der Virusproteine produziert wurden, sie durften aber keine schädigenden Eigenschaften mehr haben, wie dies beispielsweise bestimmte virale Enzyme hätten.

    Als Lösung dieser Aufgabe wurden in Regensburg synthetisch hergestellte Gene einschließlich der dazu notwendigen Technologie entwickelt. Diese "künstlichen" Gene sind unter anderem so verändert, dass die daraus abgeleiteten Eiweißstoffe zwar noch vom Immunsystem gut erkannt werden, aber keinerlei virusspezifische Funktionen mehr erfüllen können. Gleichzeitig ist es gelungen, diesen genetischen Code so zu verändern, dass davon viel mehr Eiweiß produziert werden kann.

    Eine Europäische Perspektive

    In dem großen europäischen Netzwerk "Europäischer Forschungsverbund Impfstoffentwicklung gegen HIV/AIDS" wurden mit mehreren Gruppen diese neuen Gene in harmlose Trägerviren oder in Träger-DNS eingebaut und daraus Impfstoff-Komponenten hergestellt. Der Vakzinekandidat NYVAC-C (sanofi-pasteur) wurde unter Verwendung eines harmlosen Vakzinia-Viruses (NYVAC) und der für den Impfstoff relevanten von HIV-C abgeleiteten Gensegmente hergestellt und bereits 2003-2004 von Prof. Jonathan Weber am Imperial College in London und von Prof. Giuseppe Pantaleo am CHUV in Lausanne auch an Menschen erprobt worden und ergab eine gute zellgebundene Immunantwort.

    Bei der DNA-HIV-C-Vakzine ist ein Gensegment in eine Träger-DNS eingefügt, das exakt die gleichen Eiweiße des HIV repräsentiert, die in dem Impfstoff mit der harmlosen Pockenvirusvariante NYVAC enthalten sind. Diese Impfstoffkomponente wird nun ebenfalls in Lausanne und London an Menschen erprobt. Die obligaten Vorversuche an Affen haben gezeigt, dass bei Verwendung eines analogen DNS-Impfstoffs, der von einem rekombinanten Affen/Mensch-Immundefizienzvirus (SHIV89.6) auf der Basis von HIV-B abgeleitet wurde, schützende Mechanismen induziert wurden. Ergebnisse mit Tieren sind zwar wichtig, erzielen jedoch nicht in allen Fällen ein exakt gleiches Ergebnis wie im Menschen. Die Ergebnisse der klinischen Prüfung an Menschen werden die einzige endgültige Antwort geben.

    Sollte dieses Ergebnis in Menschen reproduziert werden können, wäre ein wichtiger Schritt für die Erprobung der Impfstoffe an Personen mit großem Risikoverhalten für eine HIV-Infektion getan. Weitere Schritte werden die Erprobung des Impfstoffs in China und die Entwicklung weiterer Komponenten sein mit dem Ziel, einen lang anhaltenden Impfschutz zu erzeugen.

    Der "Europäische Forschungsverbund Impfstoffentwicklung gegen HIV/AIDS", zu deren Gründern das Regensburger Team gehört, hat bisher nicht nur herausragende Ergebnisse bei vergleichbaren Experimenten in Rhesusaffen erzielt, sondern hat es geschafft, auch unabhängig Konzepte zu entwickeln sowie alle regulatorischen Hürden zu nehmen, bis zur Prüfung an Menschen.

    Informationsdienst Wissenschaft - Meldung vom 17. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Schwankungen der HIV-Werte kein Anlass zur Besorgnis

    Statistische Abweichungen kein Hinweis auf Resistenz.

    Baltimore - Ein vorübergehendes Ansteigen der HIV-Werte während der Behandlung bedeutet generell nicht, dass das Virus eine Resistenz gegen die Medikamente entwickelt. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der Johns Hopkins University http://www.jhu.edu gekommen. Da HIV sehr rasch mutiert, waren Mediziner besorgt, dass sogar geringe Veränderungen der Werte auf das Entstehen einer Resistenz hinweisen könnten. Die Forscher argumentieren jedoch im Journal of the American Medical Association, http://jama.ama-assn.org dass es sich bei diesen Schwankungen eher um statistische Eigenheiten handelt.

    Das Team testete das Blut von zehn HIV positiven Patienten. Die Besorgnis über die Schwankungen hat zu einer kostenintensiven Wiederholung von Tests geführt. Bei einigen Patienten wurde die Behandlung verändert. Jetzt zeigte sich, dass diese Maßnahmen wahrscheinlich nicht erforderlich waren. Der leitende Wissenschafter Robert Siliciano erklärte, dass diese Ergebnisse hunderttausende Betroffene beruhigen sollte, dass die hochaktive retrovirale Therapie (HAART) nicht versagt habe. "Mediziner und Patienten verfügen jetzt über entscheidend mehr Informationen, ab wann Schwankungen der Werte Anlass zur Besorgnis sind." Die Forscher berechneten, dass erst bei einer Abweichung von 200 Kopien pro Milliliter Blut oder gleich bleibenden Werten bei wiederholten Tests ein Hinweis auf eine Mutation des Virus gegeben ist.

    Die Wissenschafter führten detaillierte genetische Analysen der Blutproben durch. Bei allen Patienten wurde die Infektion mit HAART behandelt. Ihre Virenbelastung lag für mindestens sechs Monate bei weniger als 50 Kopien pro Milliliter Blut. Schwankungen traten bei neun der zehn Patienten auf. Diese Ergebnisse wurden durch weitere Tests mit den gleichen Proben nicht bestätigt. Die genetische Analyse zeigte laut BBC keine Hinweise auf Mutationen der beiden entscheidenden Enzyme, die durch die Behandlung mit den Medikamenten blockiert werden. Das Auftreten einer Medikamentenresistenz erfordert Veränderungen in der Behandlung, die für den Patienten sehr schwierig sein können. Verschiedene Kombinationen von Medikamenten können toxische Nebenwirkungen wie Diabetes verursachen und können deutlich schlechter vertragen werden als die ursprüngliche Medikation.

    Pressetext Austria - Meldung 16. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Suche nach Sex-Partnern des HIV-Infizierten

    In den USA werden bereits zwei weitere HIV-Isolate analysiert / Beschleunigte Party-Droge den Krankheitsverlauf?

    New York. Auf der Suche nach dem Ursprung des jetzt entdeckten, besonders aggressiven HI-Virus haben US-Ärzte in der Stadt New York inzwischen von zwei weiteren HIV-Infizierten den Aids-Erreger isoliert.

    Das Gesundheitsamt von New York hatte am Wochenende, wie berichtet, vor einer neuen HIV-Variante gewarnt, die sie bei einem etwa 45jährigen Homosexuellen entdeckt hatte. Die Ärzte bezeichnen das Virus als 3-DCR HIV.

    Das Besondere an dem Virus: Der Aids-Erreger ist gegen drei Klassen antiretroviraler Medikamente resistent - Nukleosid-Analoga, nichtnukleosidische Reverse-Transkriptase- und Protease-Hemmer. Zudem verkürzt das Virus offenbar drastisch die Zeit von der Ansteckung bis zum Krankheitsbild Aids.

    Der schon jetzt im Frühstadium an Aids erkrankte Mann hat sich nach Angaben des Gesundheitsamtes möglicherweise erst vor wenigen Monaten infiziert. Die HIV-Infektion wurde im Dezember 2004 diagnostiziert. HIV-Infizierte können inzwischen aufgrund der breiten Palette antiretroviraler Medikamente üblicherweise jahrelang frei von Aids sein.

    Nach Angaben von Dr. David Ho, Leiter des Aaron Diamond Aids Research Center in Manhatten, werden erste Ergebnisse zum Vergleich der drei HIV-Isolate etwa in einer Woche vorliegen, wie die "New York Times" berichtet. Unklar sei, so Ho, ob sich bei dem Mann Aids so rasch entwickelte, weil er die Party-Droge Speed (Metamphetamin) konsumierte, oder weil die genetische Ausstattung seiner Zellen es den HI-Viren das Eindringen erleichtert und damit letztlich die Immunabwehr rascher als üblich geschwächt hatte.

    Nach Angaben von Dr. Thomas R. Frieden vom Gesundheitsamt in New York sollte die HIV-Infektion des 45jährigen gerade jene Männer, die Sex mit anderen Männern haben, veranlassen, sich und ihre Partner zu schützen.

    Ärzte-Zeitung vom 15. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     

    Fotos, die den Alltag von HIV-Infizierten widerspiegeln

    Europäischer Fotowettbewerb "One Vision 2005" läuft noch bis Mitte März / Veranstalter ist Bristol-Myers Squibb.

    Der Countdown zum europäischen Fotowettbewerb "One Vision 2005" hat begonnen: Bis zum 15. März können sich Amateur- und Profifotografen anmelden und Fotos einschicken, die den Alltag von Menschen mit HIV-Infektion oder Aids widerspiegeln.

    Nach dem erfolgreichen Auftakt im letzten Jahr mit über 500 Einsendungen (wir berichteten) sehe man dem diesjährigen Wettbewerb voll Zuversicht entgegen, so der Veranstalter, das Arzneimittel-Unternehmen Bristol-Myers Squibb. Mit diesem Projekt soll die Öffentlichkeit für das Thema HIV/Aids sensibilisiert werden - 20 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus. Die Fotos können sowohl Fortschritt und Zuversicht interpretieren, als auch die Herausforderungen oder bis heute schon erreichte Ziele aufzeigen.

    Auch in diesem Jahr wird "One Vision" von vielen europäischen Prominenten unterstützt: So ist der bekannte Londoner Fotograf Robert Taylor wieder Chairman der Jury. Deutsches Jurymitglied ist Privatdozent Jan van Lunzen vom Universitäts-Klinikum Hamburg-Eppendorf, der mit dem Aids-Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie ausgezeichnet wurde.

    Die europäischen Gewinner des ersten Preises in den Kategorien Amateur- und Profifotografie erhalten je einen Preis im Wert von 5000 Euro, der zweite Preis ist mit je 2000 Euro dotiert. Zusätzlich gibt es nationale Preise im Wert von 1000 Euro in jeder Kategorie. Darüber hinaus wird ein europäischer Sonderpreis in Höhe von 3000 Euro für das beste Foto zum Motto des letzten Welt-Aids-Tages - "Frauen, Mädchen, HIV und Aids" - vergeben.

    Hintergrundinformationen und Teilnahmebedingungen gibt es auf der Website: www.onevision2005.org. Interessenten können sich schnell und unkompliziert registrieren und ihre Fotos elektronisch einsenden. Hier sind auch die Gewinnerfotos des letzten Jahres zu sehen.

    Ärzte-Zeitung vom 15. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     

    Unschädlich gemachtes HIV kann Krebszellen zerstören

    Angriffsziel des Virus auf Krebszellen umprogrammiert.

    Los Angeles - Wissenschafter der University of California http://www.uclaaidsinstitute.org haben eine spezielle Version von HIV gefunden, die nachdem die Krankheit verursachenden Teile entfernt waren, Krebszellen bei Mäusen ausfindig machte. In einem nächsten Schritt soll ein Gen in das Virus eingebracht werden, das den Krebs bei Kontakt zerstört. Das Team erklärte gegenüber Nature Medicine, http://www.nature.com dass weitere Forschungen erforderlich seien, bevor dieses Verfahren an Menschen getestet werden kann.

    Die untersuchten Mäuse litten mit Melanomen unter einer Form von Hautkrebs, die sich in die Lungen ausgebreitet hatte. Im Labor entfernten die Forscher bei HIV jene Teile, die eine Erkrankung verursachen. In einem nächsten Schritt ersetzten sie die äußere Hülle des Virus durch die Hülle eines anderen Virus. Durch diesen Vorgang wurde das Angriffsziel des Virus verändert. HIV infiziert mit den T Zellen normalerweise Immunzellen. Die neue äußere Hülle lenkte die Aufmerksamkeit jedoch mit P-glycoproteinen auf Krebszellen. Zusätzlich versahen die Wissenschafter das Virus mit einer Substanz, die es unter einer speziellen Kamera leuchten ließ, so dass es für die Überprüfung der Ergebnisse sichtbar wurde.

    Der Wissenschafter Irvin Chen erklärte laut BBC, dass das Virus über die Blutbahn direkt in die Krebszellen der Lunge gelangte. "Die Gentherapie wurde bisher durch das Fehlen eines geeigneten Trägers behindert. Unser Ansatz beweist, dass es möglich ist, einen effektiven Träger zu schaffen und ihn so umzuprogrammieren, dass er auf bestimmte Zellen im Körper abzielt." Sein Team will untersuchen, ob das Virus auch ein therapeutisches Gen direkt zum Krebs transportieren kann. Neben der Kontrolle des Krebses hoffen die Forscher, dass dieser Ansatz auch für die Behandlung genetischer Erkrankungen geeignet ist.

    Pressetext Austria – Meldung vom 14. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Medikamentenresistenter HI-Virus in New York entdeckt

    New York. Die New Yorker Gesundheitsbehörden sind über die Entdeckung eines neuen HI-Virus-Stamms besorgt, der hochgradig resistent gegen Medikamente ist und zu einem ungewöhnlich schnellen Ausbruch von Aids führt. Bisher sei eine Erkrankung bekannt, sagte der stellvertretende Leiter des Zentrums für Krankheitskontrolle (CDC), Ron Valdiserri, am Freitag in New York. «Uns ist kein anderer Fall wie dieser in den USA oder anderswo bekannt», fügte er hinzu.

    Bei dem Erkrankten handele es sich um einen Mann in den 40ern, der jahrelang ungeschützten Verkehr mit anderen Männern gehabt habe. Drei von vier etablierten Behandlungsmethoden mit Medikamenten hätten bei ihm keinen Erfolg gehabt, zurzeit werde die vierte ausprobiert. Der New Yorker Gesundheitsbeauftragte Thomas Frieden sagte, der HIV-Stamm sei «schwierig bis unmöglich zu behandeln». Die Diagnose sei im vergangenen Dezember gestellt worden. Aids-Symptome habe er anscheinend innerhalb von zwei bis drei Monaten entwickelt. Valdisseri sagte, die Resistenz von HIV gegen Medikamente nehme allgemein zu. Der neue HIV-Stamm führe aber zu einer schnellen Entwicklung von Aids. HIV-Infektionen haben bisher in einem Zeitraum von bis zu zehn Jahren zu der tödlichen Immunschwäche geführt. Die Stadt New York und das CDC arbeiteten zusammen, um mögliche weitere Fälle der neuartigen Infektion zu finden.

    Yahoo Nachrichten vom 12. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Forderung nach allgemeinem HIV-Screening von Erwachsenen

    New Haven / Durham. US-Wissenschaftler fordern eine Ausweitung der HIV-Tests auf größere Bevölkerungsgruppen. Lohnenswert sei ein Screening in allen Regionen des Landes mit einer Prävalenz von über 0,05 Prozent, was auf weite Teile der USA (aber auch Deutschlands) zuträfe. Das Screening könnte nicht nur die Zahl der Neuinfektionen senken. Auch den Infizierten selber käme eine frühere Diagnose zugute, schreiben sie im New England Journal of Medicine.

    Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) empfehlen das Screening derzeit nur in Regionen mit einer Prävalenz von mehr als einem Prozent. So häufig ist die HIV-Infektion nur in den größeren Ballungsgebieten. Die Aufnahme des Screenings ist dort denkbar schlecht. Aber selbst bei einer höheren Akzeptanz würde nur eine Minderheit der Infektionen erkannt, da die Epidemie längst auch andere Regionen des Landes erfasst hat.

    Die Zahl der erkannten Fälle könnte zweifellos gesteigert werden, wenn das Screening ausgeweitet würde. Dies wirft jedoch Kostenfragen auf. Denn in einer Region mit einer niedrigen Prävalenz müssen deutlich höhere finanzielle Ressourcen eingesetzt werden, um einen HIV-Positiven zu finden. Außerdem verlangen Gesundheitsökonomen, dass das Screening einen Vorteil für den Patienten hat. Wichtigster Endpunkt ist hier eine Verlängerung des Lebens unter voller Gesundheit. Gemessen wird dies in den so genannten “quality-adjusted life-year gained” (QALY). Im Allgemeinen wird ein Screening für sinnvoll betrachtet, wenn die Kosten für ein QALY unter 50.000 US- Dollar liegen, wie dies beispielsweise für die Mammographie oder die Darmkrebsfrüherkennung belegt werden konnte.

    Gillian Sanders von der Duke Universität in Durham/North Carolina und Mitarbeiter kommen aufgrund einer Entscheidungsbaum-Analyse (Markov-Modell) zu dem Ergebnis, dass ein bevölkerungsweites Screening bereits ab einer Prävalenz von 0,05 Prozent ökonomisch vertretbar wäre (NEJM 2005; 352: 570-585). Pro QALY müssten 41.736 US- Dollar aufgewendet werden. Diese Zahl bezieht sich jedoch nur auf einen einmaligen Test. Aus epidemiologischer Sicht wünschenswert wäre, dass die Bevölkerung mehrmals getestet würde.

    Die Kosten pro gewonnenem QALY wären dann wesentlich höher. Doch wenn man berücksichtigt, dass dadurch viele Neu-Infektionen vermieden werden könnten, wäre ein Screening mit 57.138 US-Dollar pro QALY möglicherweise immer noch vertretbar. Ein epidemiologischer Nebeneffekt wäre eine Reduktion des R-Wertes unter eins. Der R-Wert gibt an, wie viele Menschen ein HIV-Positiver im Laufe seines Lebens ansteckt. Ein Wert unter eins bedeutet, dass die Epidemie abebben und die Zahl der Infizierten langfristig sinken würde.

    Auch David Paltiel von der Yale Universität in New Haven und Mitarbeiter kommen in einer Computer-Simulation zu dem Ergebnis, dass die Kosten einer routinemäßigen HIV-Beratung mit Test und bei positivem Ergebnis mit Überweisung in ein Behandlungszentrum (HIVCTR-Strategie) sich rentieren würden (NEJM 2005; 352: 586-595). Die Kosten würden pro QALY 36.000 US-Dollar betragen, wenn die Gruppe mit dem niedrigsten Risiko ausgenommen würde. Ein allgemeines Screening aller Erwachsenen wäre jedoch mit 113.000 US-Dollar pro QALY zu teuer.

    Beide Studien betonen die günstigen Auswirkungen des Screenings für den Einzelnen. Denn obwohl die hoch-aktive antiretrovirale Therapie (HAART) auch im fortgeschrittenem Stadium noch effektiv ist, sind die Behandlungsmöglichkeiten im Frühstadium besser. Die Patienten würden auch seltener durch Nebenwirkungen belastet. Die Forscher schätzen, dass der durchschnittliche CD-Wert bei der Diagnose der Erkrankung von 154 auf 210 Zellen/Kubikmillimeter angehoben würde.

    Deutsches Ärzteblatt vom 10. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Kassen blocken Off Label Use bei Aids

    Berlin/Köln - Innovative Therapien bei Aids stoßen in Deutschland auf immer höhere Hürden. Sowohl der Off Label Use wie auch die Verordnung von neuen Arzneimitteln, die in Deutschland noch nicht zugelassen sind, werden von den Krankenkassen behindert, beklagen das Kompetenznetz HIV/Aids und die Deutsche Aids- Gesellschaft.

    Derzeit sind in Deutschland mehr als 20 HIV-Therapeutika zugelassen, die viele Kombinationsmöglichkeiten eröffnen. Dennoch stellen die behandelnden Ärzte bei immer mehr Patienten fest, dass sie gegen zugelassene Medikamente resistent sind. Deshalb sei es nötig, daß Ärzte auf solche Medikamente zurückgreifen, die in Deutschland noch nicht zugelassen sind oder die für die Aids-Therapie und ihre Folgeerkrankungen nicht offiziell indiziert sind.

    Die Krankenkassen reagieren darauf immer restriktiver. So hat erst vor wenigen Wochen die Bundesknappschaft Recklinghausen die Verordnung des in den USA zugelassenen Virustatikums Rescriptor mit dem Wirkstoff Delarvirdin zurückgewiesen. Die Folge: Der Patient bleibt auf den Kosten sitzen. "Das ist ein unerträglicher Zustand", so Professor Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft.

    Ursächlich dafür ist die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts, das im Mai 2004 entschieden hat, dass sich weder aus dem Europarecht noch aus der Rechtsprechung zum Off Label Use eine Leistungspflicht der GKV ableiten lasse.

    Brockmeyer fordert nun, das für die Onkologie geschaffene Kommissionsmodell "Off Label Use" auch auf HIV zu erweitern. Danach kann ein Gremium von Fachärzten und Kassenvertretern entscheiden, ob die Kosten einer Behandlung mit nicht zugelassenen Medikamenten von den Kassen bezahlt werden.

    Ärzte Zeitung vom 8. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Unbürokratischer Zuzahlungsnachweis für schwerwiegend chronisch Kranke

    Kein jährlicher Nachweis mehr erforderlich.

    Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung informiert:

    Patientinnen und Patienten, die in einer Dauerbehandlung sind und bei denen eine Verbesserung der Krankheitssituation nicht zu erwarten ist, müssen seit dem 1. Januar 2005 nicht mehr jährlich einen ärztlichen Nachweis über das Vorliegen einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung vorlegen. Das gilt insbesondere für Pflegebedürftige der Stufe 2 und 3. Die Krankenkassen haben aber weiterhin die Möglichkeit, in Zweifelsfällen einen erneuten Nachweis zu verlangen. Damit wird die Chroniker-Regelung entbürokratisiert und pflegebedürftige Menschen und ihre Familien entlastet.

    Dieser Nachweis ist wichtig, weil gesetzlich Versicherte, die schwerwiegend chronisch krank sind und wegen dieser Krankheit in Dauerbehandlung sind, bei der Ermittlung der Belastungsgrenze besonders behandelt werden. Sie müssen nämlich nur ein Prozent ihrer jährlichen Bruttoeinnahmen an Zuzahlungen leisten. Die Belastungsgrenze für nicht chronisch kranke Menschen liegt bei zwei Prozent.

    Als schwerwiegend chronisch krank gilt, wer mindestens einen Arztbesuch pro Quartal wegen derselben Krankheit wenigstens ein Jahr lang nachweisen kann und zusätzlich eines der folgenden Kriterien erfüllt: Entweder Pflegebedürftigkeit der Pflegestufe 2 oder 3 oder aber ein Grad der Behinderung beziehungsweise eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 60 Prozent.

    Download: Chroniker-Richtlinie 2005

    Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung - Pressemitteilung vom 8. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Geschlechtskrankheit LGV in Europa aufgetaucht

    Vermehrtes Auftreten von Lymphogranuloma venerum.

    London - Eine Geschlechtskrankheit, die bisher nur in Entwicklungsländern vorkam, ist nach Europa übergeschwappt. In London und anderen europäischen Städten sind in vergangener Zeit Fälle von Lymphogranuloma venerum (LGV) bekannt geworden. Laut BBC http://news.bbc.co.uk waren die 24 Infizierten in England allesamt homosexuelle Männer.
    LGV wird durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Es wird durch denselben Bakterienstamm verursacht, der für die Bildung von Chlamydien (STI) verantwortlich ist. In den vergangenen Monaten wurde von Ausbrüchen in Rotterdam, Antwerpen, Paris, Stockholm und Hamburg berichtet. "In der westlichen Welt war LGV zuvor kaum bekannt. Es kam in Gebieten von Afrika, Asien, Südamerika und der Karibik vor. Was wir jetzt erleben, ist etwas ganz Neues und es betrifft vor allem homosexuelle Männer", so Neil Macdonald von Englands Health Protection Agency (HPA) http://www.hpa.org.uk .

    Seit vergangenem Oktober hat die HPA ein wachsames Auge auf LGV. Bis heute sind in England 24 Fälle aufgetreten. Die HPA konnte 19 der 24 infizierten Männer ausfindig machen. Sie alle sind homosexuell und 17 von ihnen sind HIV-positiv. Macdonald: "Wir wissen, dass LGV hier ist und wir wissen, dass es ein Problem darstellt." Schwierig sei vor allem, dass sich LGV nicht wie ein typisches STI äußert. So wüssten die Patienten oftmals nicht, dass sie infiziert sind. Auch viele Ärzte seien nicht in der Lage, die Infektion zu erkennen. Anfangssymptom ist meist ein schmerzloses Knötchen oder Bläschen im Genitalbereich, was meist unbemerkt bleibt. Dazu kommt eine Entzündung des Mastdarms. Dies äußert sich durch Schmerzen, Ausfluss, rektale Blutungen und blutigen Stuhl. Nach frühestens einer Woche vergrößern sich die Lymphknoten in der Leistengegend. Später bilden sich im Genitalbereich Abszesse, die ein eitriges, später milchig-seröses Sekret absondern.

    LGV kann ganz einfach durch eine dreiwöchige Antibiotika-Kur behandelt werden. Aber wenn es nicht entdeckt wird, können Komplikationen auftreten - Fieber, Gewichtsverlust und Vernarbungen im Analbereich, die oftmals operativ behandelt werden müssen. Oftmals werden die Symptome mit Darmproblemen abgetan, was die richtige Diagnose hinauszögert. "Wir arbeiten mit HIV-positiven Männern zusammen. Das Bewusstsein für LGV muss wachsen", so Will Mutland von Terrence Higgins Trust http://www.tht.org.uk .

    Pressetext Austria vom 7. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Verschwörungstheorien stören effiziente Bemühungen HIV/AIDS zu stoppen

    Mitarbeiter des Gesundheitswesens müssen unbedingt die Verschwörungstheorien um die Verbreitung und Behandlung von HIV/AIDS bei Afro-Amerikanern ansprechen, fordert der aktuelle Leitartikel. Einer von sieben Afro-Amerikanern glaubt, dass AIDS von der Regierung zur Kontrolle der schwarzen Bevölkerungsschicht geschaffen wurde, so das Ergebnis einer aktuellen US-Studie. Einer von drei Befragten ist der Überzeugung, dass das HI-Virus in Regierungslaboratorien produziert wurde; mehr als die Hälfte sagten aus, dass eine Heilung von HIV/AIDS den Armen vorenthalten werde.

    Zwar seien die Verschwörungstheorien nachvollziehbar, berücksichtige man die Geschichte der Diskriminierung der Afro-Amerikaner. Laut des Leitartikels entsteht daraus aber ein reales Risiko, dass sie die Bemühungen zunichte machen, die Epidemie in dieser Gemeinschaft aufzuhalten. Mehr als die Hälfte der HIV-Neuinfizierten in den USA sind Afro-Amerikanern.

    "The Lancet" ist daher der Überzeugung, dass Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die in der Bekämpfung von HIV/AIDS arbeiten, die Wurzeln der Verschwörungstheorie und das allgemein verbreitete Misstrauen in der afro-amerikanischen Gesellschaft zur Kenntnis nehmen und diskutieren sollten.

    Michael McCarthy, Nordamerika-Korrespondent des Lancet, kommentiert: "Frauen und Männer mit der Überzeugung, dass die Regierung HIV erschaffen hat, werden kaum Gesundheitswarnungen eben dieser Regierung ernst nehmen, Aufrufen zu Tests folgen oder sich empfohlenen Behandlungen unterziehen. Um den Personenkreis mit dem höchsten Risiko zu erreichen, sollten die Mitarbeiter des Gesundheitswesens daher mehr schwarze Mentoren gewinnen und ausbilden, damit die Inhalte der Sexualerziehung in einer kulturell angemessenen Art und Weise an Afro-Amerikaner vermittelt werden können. Darüber hinaus sollten Angehörige der Regierung und des Gesundheitswesens über die sehr reelle Diskriminierung von Angehörigen der schwarzen Gemeinschaft innerhalb des US-Gesundheitssystems sprechen. Die bei weitem wichtigste Maßnahme besteht aber darin, dass die Führer der afroamerikanischen Gemeinschaft und die Macher der diese Gruppe ansprechenden Medien das Anzweifeln der Verschwörungstheorien zu einer Priorität erklären."

    Quelle: . Conspiracy theories of HIV/AIDS. Lancet 2005; 365: 448

    THE LANCET Meldung vom 4. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     

    Pegasys für Hepatitis- und HIV in EU zugelassen

    Basel. Die EU hat erstmals eine Kombinationstherapie für Aids und Hepatitis zugelassen. Das Hepatitis-Medikament Pegasys des Baseler Pharmakonzerns Roche darf künftig zusammen mit Ribavirin zur Behandlung von chronischen Hepatitis-Patienten eingesetzt werden, die auch HIV-positiv sind.

    Diese so genannte Koinfektion tritt weltweit bei rund 30 Prozent der mit HIV infizierten Personen auf. Sicherheit und Wirksamkeit der Kombination seien unter anderem in der APRICOT-Studie nachgewiesen worden, teilt Hoffmann-La Roche mit. Danach wurde bei 40 Prozent der Patienten mit der Kombitherapie eine anhaltende virologische Ansprechrate erzielt - deutlich mehr als mit den Einzelsubstanzen.

    Yahoo Nachrichten vom 3. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Höhere Adhärenz unter drei NRTIs

    Unter einer HAART mit drei NRTIs sind im Vergleich zu einem PI-inkludierendem Regime Adhärenz und Zufriedenheit der Patienten höher.

    Ein Wissenschafterteam um Dr. J. Jordan verglich im Zuge der Auswertung dreier Studien die Adhärenz, Sicherheit und Effektivität von PI-inkludierenden und einer Dreifach-NRTI-Therapie mit Abacavir. Im Zuge der Studien füllten die Patienten regelmäßig das HIV Treatment Satisfaction Questionnaire (HIVTSQ) aus.

    In allen drei klinischen Studien war die Zufriedenheit der Patienten mit einer ABC-inkludierenden Therapie höher als bei der Einnahme eines PI-Regimes. Die größere Flexibilität, weniger Nebenwirkungen und einen geringeren Einfluss auf die Lebensqualität wurden von HIV-Positiven unter drei NRTIs als positiv bewertet.

    Die Wissenschafter fassen zusammen, dass eine antiretrovirale Therapie mit drei NRTIs in einer höheren Zufriedenheit der Patienten mit der Therapie resultiert und dadurch auch die Adhärenz höher ist.

    Quelle: AIDS Patient Care and STDs; 2005, 19: 9-18

    MedAustria - AIDS News Line vom 3. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Trivalenter HIV-Impfstoff bei 1.500 Menschen getestet

    Studie in 18 Städten rund um den Globus.

    Seattle. Eine große Impfstoffstudie mit einer trivalenten Vakzine gegen den Aids-Erreger HIV-1 ist jetzt in mehreren Staaten gestartet worden. Etwa 1500 Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko sollen daran teilnehmen.

    Geprüft wird in der Phase-2-Studie der Impfstoff MRKAd5-HIV-1, der die Gene von drei Antigenen des Aids-Erregers HIV-1 enthält, nämlich "gag", "pol" und "nef". Mit diesem Impfstoff, der ein abgeschwächtes Adenovirus (Ad5), ein Erkältungsvirus, als Genfähre enthält, soll - nicht wie mit bisherigen Impfstoffen die Antikörperbildung - primär die zelluläre Immunabwehr aktiviert werden.

    Aktivierte zytotoxische T-Lymphozyten sollen HIV-infizierte Zellen erkennen und abtöten. Erste Studien mit dem Impfstoff haben bereits ergeben, dass sich eine gute, anhaltende Immunantwort aufbauen lässt. Jetzt wird geprüft, ob damit eine Infektion verhindert werden kann oder die Viren in Schach gehalten werden können.

    Hergestellt wurde der Impfstoff von Forschern des US-Unternehmens Merck & Co. (in Deutschland: MSD) in Whitehouse Station. Die Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem HIV Vaccine Trials Network in Seattle mit Probanden in 18 Städten in Nord- und Südamerika, in der Karibik und in Australien.

    Ärzte Zeitung vom 2. Februar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Buchtipp: Stricher

    Die Diplom-Pädagogen Karin Fink und Wolfgang B. Werner beschäftigen sich seit Jahren sowohl theoretisch als auch praktisch mit Migration, Pädosexualität, Sexualstrafrecht, Sexualpädagogik, der HIV-Prävention, mit dem neuen Infektionsschutzgesetz und Prostitutionsgesetz. Beide arbeiten auch praktisch mit Strichern in den Einrichtungen KISS (Frankfurt/M.) und SUB/WAY Berlin. Beide Ebenen, die theoretische und die praktische, werden in diesem Buch ausführlich beschrieben. Weshalb gehen Jungs oder junge Männer auf den Strich? Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, weil es z.B. noch keine wissenschaftliche Datenerhebung zu dieser Thematik gibt. Jedoch gehen die Autoren von der einfachen Tatsache aus, dass niemand als Stricher auf die Welt gekommen ist. Diese Tatsache schlägt sich auch in der neuen Definition für männliche Prostituierte nieder.

    Die Autoren beschreiben die Mechanismen, die Jungs auf den Strich bringen und welchen gesellschaftlichen Diskriminierungsebenen sie dabei ausgesetzt sind. Die Szene wird mit allen in ihr befindlichen Personen (Freier, Barkeeper, Bordellbesitzer, Pornohersteller usw.) analysiert, die wiederum Auswirkungen auf die Stricher und deren ‘Einstieg’ in die Szene haben können. Die daraus resultierenden Ergebnisse bieten wichtige Ansatzpunkte für präventive und gesundheitsfördernde Strategien der Freier-Stricher-Szene, die in diesem Buch benannt und aufgezeigt werden.

    Ein besonderer Fokus wurde auf die Neuen Medien gelegt, da ein immer größer werdender Anteil von Strichern diese elektronischen Errungenschaften nutzen, um sich und ihre sexuellen ‘Dienste’ anzubieten und um u.a. schneller für ihre Kunden erreichbar zu sein. Diese Veränderungen wirken sich nicht nur auf die gesamte Struktur in der Stricherszene aus, sondern sie erfordern auch ein Umdenken in der präventiv-pädagogischen Arbeit, da die Zielgruppe nicht mehr über die aufsuchende Arbeit vor Ort erreicht werden kann. Die Autoren geben eine erste Übersicht, auf welchen Ebenen und unter welchen Umständen Prostitution stattfindet und welche Gefahrenpotenziale sich für männliche Prostituierte daraus ergeben können.

    Die Sexualstrafrechtsreform und die Gesetzgebung zur Besserstellung von Prostituierten nehmen eine bedeutende Rolle ein, die zwar scheinbar Verbesserungen mit sich gebracht hat, aber bei eingehender Beschäftigung eher Verschlechterungen nach sich zieht. Das Handbuch wäre nicht vollständig, wenn nicht auch männliche Prostituierte zu Wort kommen würden. Die Autoren führten zahlreiche Interviews, die unkommentiert am Ende des Handbuchs zu finden sind. Abschließend steht dem Leser auch ein umfassendes Lexikon zur Verfügung, das Begriffe aufführt und erläutert, die tagtäglich in der Szene verwendet werden. An wen richtet sich dieses Buch?

    Die Autoren richten sich durch ihre Themenauswahl und ihre Sprache bewusst an einen möglichst breiten Interessentenkreis. So kann die interessierte Öffentlichkeit einen Einblick in eine Szene bekommen, der ihr sonst versperrt ist; Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe werden sowohl ihre Antworten finden, als auch Personen, die ein wissenschaftliches Interesse an der männlichen Prostitution haben. Insofern ist dieses Buch auch als Plädoyer für eine Intensivierung von Stricher- und Jungendarbeit zu verstehen.
     

    K. Fink, W. B. Werner:
    STRICHER – Ein sozialpädagogisches Handbuch zur mannmännliche
    Prostitution (ca. 300 Seiten, ISBN 3-89967-156-2) Preis 20,- Euro

    PABST SCIENCE PUBLISHERS Januar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Prädiktoren für Resistenzmutationen nach Initiierung einer HIV-Tripletherapie

    Eine hohe HI-Viruslast sowie mangelnde Adhärenz sind laut einer im "Journal of Infectious Diseases" publizierten Studie die deutlichsten Prädiktoren der Entwicklung von Resistenzmutationen.

    Dr. P. Richard Harrigan und Kollegen von der University of British Columbia in Vancouver, Kanada, untersuchten bei 1.191 HIV-infizierten, antiretroviral-naiven Erwachsenen innerhalb einer Beobachtungszeit von 30 Monaten Inzidenz und Determinanten der Entwicklung von Resistenzmutationen.

    Bei 298 Probanden konnten Resistenzmutationen diagnostiziert werden. Eine hohe Plasma-Viruslast und mangelnde Adhärenz - ermittelt mittels Verschreibungs-Daten und Plasmaspiegel der antiretroviralen Therapie - waren in dieser Studie signifikant mit der Entwicklung einer oder mehrerer Resistenzmutationen assoziiert (HR = 1,59; p<0,001). Patienten, die ihre Medikamente nicht regelmäßig aus der Apotheke abholten, hatten ein signifikant gesteigertes Resistenzmutations-Risiko (HR= 4,57; p<0,001) Eine Initialtherapie mit einer auf NNRTIs basierenden HAART war mit einer deutlichen höheren Inzidenz von Resistenzmutationen assoziiert (HR = 1,84; p=0,001).

    Die Wissenschafter fassen zusammen, dass eine höhere Viruslast und eine mangelnde Adhärenz mit einer signifikanten Steigerung des Risikos der Entwicklung von Resistenzmutationen assoziiert zu sein scheint.

    Quelle: J Infect Dis; 2005, 191: 339-347

    MedAustria  - AIDS News Line vom 27. Januar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Beschnittene Männer: Seltenere HIV-Ansteckung

    Hohes Risiko der Infektion bei häufigem Partnerwechsel.

    Washington - Unbeschnittene Männer, die häufiger die Sexpartnerin wechseln, infizieren sich mehr als doppelt so häufig mit HIV als beschnittene. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern aus den USA und Kenia, die in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Journal of Infectious Diseases http://www.idsociety.org veröffentlicht wurde.

    Das Forscherteam um Jared Baeten hatte zwischen 1993 und 1997 mehr als 740 keniatische Lastwagenfahrer untersucht. Die Trucker wurden nach ihren Sexualgewohnheiten befragt und mit Hilfe statistischer Modelle wurde daraufhin das HIV-Risiko ermittelt. Die Probanden waren am Beginn der Untersuchung alle HIV-negativ. Untersucht wurde auch ob die Männer beschnitten waren und wie häufig sie außerhalb ihrer Ehe Sexualverkehr mit Bekannten oder Prostituierten hatten. Der Wahrscheinlichkeit nach lag das Risiko sich mit dem HI-Virus zu infizieren durchschnittlich bei eins zu 160. Bei nicht-beschnittenen Männern stieg dieses Risiko auf eins zu 80 an, bei beschnittenen fiel es auf eins zu 200.

    Die Studienautoren gaben an, dass kulturelle Unterschiede bei der Infektion keine Rolle spielten. Bereits in anderen vorangegangenen Studien konnten Forscher ein erhöhtes Infektionsrisiko bei nicht-beschnittenen Männern feststellen. Die Gründe dafür sind bisher nicht bekannt. Zusätzlich zur Beschneidung konnten die Forscher ein anderes signifikantes Ergebnis in der Studie feststellen: Die hohe Rate an Infektionen pro sexuellem Kontakt von Frauen an Männer. In vergangenen Studien wurden in erster Linie monogame Paare untersucht. Dort war das Risiko einer Infektion pro Geschlechtsakt bei eins zu 1.000 oder sogar noch weniger.

    Pressetext Austria vom 26. Januar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Unternehmen: Kaum Reaktion auf HIV/Aids

    Die meisten Unternehmen reagieren zu wenig und zu spät auf HIV/Aids, das zeigt ein Bericht des World Economic Forum (WEF). Das Interesse an dem Problem ist in den letzten 12 Monaten um 23 Prozent gesunken. Und die meisten westeuropäischen Firmen erkennen es als solches gar nicht.

    Unternehmen machen keine Pläne für den Umgang mit HIV/Aids bis nicht 20 Prozent der Menschen in einem Land betroffen sind. Zu diesem Ergebnis ist ein Bericht des World Economic Forum (WEF) , der Harvard University und der UN aids agency gekommen. Zu wenige Unternehmen reagierten proaktiv auf die sozialen und wirtschaftlichen Bedrohungen, erklärte Kate Taylor, Leiterin der weltweiten Gesundheitsinitiative des WEF. Fast 9.000 Führungskräfte in 104 Ländern wurden zum Thema Unternehmen und HIV/Aids hinsichtlich Engagement und Aktivitäten befragt. Laut Taylor werde zu wenig zu spät unternommen.

    Der Bericht zeigt, dass ungeachtet der Tatsache, dass täglich 14.000 Menschen mit HIV/Aids angesteckt werden, das Interesse bei Unternehmen in den letzten 12 Monaten um 23 Prozent zurückgegangen ist. 71 Prozent der Befragten verfügen über keine Strategien um der Krankheit entgegenzutreten. Mehr als 65 Prozent der Führungskräfte konnten keine Angabe zum Ausmaß der Verbreitung von HIV unter ihren Mitarbeitern machen.

    In Schwarzafrika verfügen auch in Ländern mit einer HIV-Rate von 10 - 19 Prozent nur rund sieben Prozent der Unternehmen über formale Strategien gegen HIV/Aids. Diese Kluft ist in China, Äthiopien, Indien, Nigeria und Russland noch größer. In diesen Ländern werden bis 2010 die weltweit höchsten Zuwachsraten erwartet.

    In Westeuropa scheint das Thema so gut wie gar nicht angekommen zu sein. Auf die Frage, ob HIV/Aids Einfluß auf die Geschicke des Unternehmens haben werde, antworteten 87% der befragten Unternehmensbosse, dass sie überhaupt keine Auswirkungen erwarten. Und 80% glauben, dass das auch in Zukunft so bleibt. 78% gaben an, keine spezielle Unternehmensrichtlinie zu diesem Thema zu besitzen und 88% sind sicher, dass das auch richtig so ist.

    Der WEF Bericht kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen ihr HIV/Aids Risiko erkennen und entsprechende lokale Strategien zur Bewältigung entwickeln müssen. Entscheidend sei dabei laut WEF, ein Vorgehen, das auf Nichtdiskriminierung und Vertraulichkeit basiert.

    Medizinauskunft - Meldung vom 25. Januar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Höhere Aggressivität hepatozellulärer Karzinome bei HIV-Positiven

    Ein Leberkarzinom hat bei HIV-Positiven häufiger einen aggressiveren klinischen Verlauf als bei HIV-Negativen.

    Dr. Massimo Puoti von der Universitätsklinik in Brescia, Italien, und Kollegen untersuchten eine Assoziation zwischen der möglich höheren Aggressivität eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) bei 41 HIV-Positiven im Vergleich zu 384 HIV-Negativen.

    Bei 41 Probanden konnte ein Leberkarzinom diagnostiziert werden. In multivariaten, auf Geschlecht und Alter adjustierten Analysen konnte für HIV-Positive eine signifikante Steigerung der Odds Ratio des HCV-Risikos errechnet werden (OR=11; p=0,005). Infiltrierende und/oder extranodal metastasierende Tumoren waren bei HIV-Positiven bei der Präsentation deutlich häufiger als bei HIV-Negativen (OR=11,8; p<0,005). Eine HIV-Infektion war davon unabhängig mit einer kürzeren Überlebenszeit assoziiert (HR=1,63; p=0,015).

    Die Entwicklung eines HCC unterliegt bei HIV-infizierten Patienten häufig einer HCV-Infektion und verläuft deutlich aggressiver als bei HIV-Negativen. HIV/HCV-Koinfizierte Patienten bedürfen aufgrund der Studienresultate eines genaueren Screenings auf Leberzellkarzinome.

    Quelle: AIDS; 2004, 18: 2285-2293

    MedAustria Meldung vom 24. Januar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    USA empfehlen vorbeugende Aids-Behandlung

    Washington - Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids haben US-Behörden erstmals eine vorbeugende Behandlung nach jedem Ansteckungsrisiko empfohlen. Auch Menschen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden seien, ungeschützten Sex mit einem Risikopartner gehabt hätten oder sich durch Drogenspritzen angesteckt haben könnten, sollten sich künftig vorbeugend behandeln lassen, empfahl das Zentrum für Krankheitskontrolle und -vermeidung (CDC) in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.

    Bislang war eine vorbeugende Behandlung gegen Aids medizinischem Personal vorbehalten, das zum Beispiel bei einer Operation beziehungsweise einer Nadelstichverletzung versehentlich mit dem Blut eines HIV-Infizierten in Berührung gekommen war.

    Die so genannte Postexpositionsprophylaxe (PeP) solle binnen 72 Stunden nach der möglichen Ansteckung beginnen und 28 Tage lang fortgesetzt werden, hieß es in der Empfehlung der US-Bundesbehörde. Eine Postexpositionsprophylaxe ist mit starken Nebenwirkungen verbunden. Die Ausbreitung des HI-Virus sei so ernst, "dass wir alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen müssen, um die Ansteckung zu verringern", erklärte ein CDC-Mitarbeiter. In den USA gibt es nach CDC-Angaben jedes Jahr 40.000 neue HIV-Fälle.

    Aargauer Zeitung vom 22. Januar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Verbesserung der Lipoatrophie und Verlangsamung der Fettapoptose

    Ein Therapiewechsel von Stavudin (d4T) auf Abacavir (ABC) oder Zidovudin (AZT) resultiert laut einer jüngst in „AIDS“ publizierten Studie in einer Verbesserung der Fettverteilungsstörungen und der Apoptose.

    Dr. Grace McComsey vom Case School of Medicine Center for AIDS Research in Cleveland, Ohio, und Kollegen untersuchten bei 16 HIV-Infizierten mit Lipoatrophie und/oder Hyperlaktatämie (>3 Jahre unter d4T), ob durch einen Therapiewechsel von Stavudin auf ABC oder AZT die Lipoatrohie und Apoptose-Rate vermindert werden können.

    Bei mittels DEXA-Scans evaluierten Veränderungen der Lipoatrophie konnte eine deutliche Verbesserung nach Umstellung auf ABC oder AZT registriert werden (21%, 11% und 16% in Arm, Bein und Rumpf).
    Die quantitative Adipozyten-Apoptose-Rate war zu Beginn der Studie bei HIV-Positiven im Vergleich zu HIV-Negativen signifikant höher (p<0,01). 48 Wochen nach der Umstellung konnte eine signifikante Reduktion der Apoptose-Rate registriert werden (p<0,05).

    Die oben beschriebenen Studienresultate lassen vermuten, dass eine Umstellung der antiretrovialen Therapie von d4T auf ABC oder AZT in einer Verbesserung der Lipoatrophie und Verlangsamung der Fettapoptose resultiert.

    Quelle: AIDS; 2005; 19: 15-23

    MedAustria - Meldung vom 19. Januar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Malaria und HIV-Infektion verstärken sich gegenseitig

    Die Malaria begünstigt die Ausbreitung der HI-Viren im Körper. In einer prospektiven Kohortenstudie im Lancet (2005; 365: 233-40) hatten am Malaria erkrankte Patienten eine doppelt so hohe HI-Viruslast wie andere HIV-Infizierte.

    Bisher war nur bekannt, dass die HIV-Infektion die Immunabwehr gegen die Malaria schwächt. Bei HIV-Infizierten verläuft die Tropenkrankheit häufiger mit schweren Komplikationen. Die Parasitämie ist ausgeprägter, das Fieber höher und auch das Sterberisiko steigt.

    Die Untersuchungen von James Kublin vom Fred Hutchinson Krebsforschungszentrum in Seattle und Mitarbeitern zeigen nun, dass es zwischen den Krankheiten in beiden Richtungen eine Wechselwirkung gibt.

    Die Studie wurde in einer ländlichen Region von Malawi durchgeführt, in der beide Erkrankungen weit verbreitet sind. Teilnehmer waren 334 HIV-Infizierte, bei denen während der Eingangsuntersuchung keine Plasmodien im Blut nachweisbar waren. Bei etwa der Hälfte der Teilnehmer kam es im Verlauf der nächsten Monate zu einem Malaria-Anfall, der mit einer Vermehrung der Parasiten im Blut einhergeht. Während dieser Zeit stieg auch die Konzentration der HI-Viren im Blut an. Zwar nicht auf das Siebenfache, wie in einer früheren Studie. Es kam aber fast zu einer Verdopplung der Viruslast von 96 000 auf 169 000 Kopien pro Milliliter.

    Nach der erfolgreichen Behandlung der Malaria ging die Viruslast wieder zurück. Für die Londoner Tropenmediziner James Whitworth und Kirsten Hewitt stellt die Malaria deshalb keine unmittelbare Bedrohung für die HIV-Patienten dar. Dies gelte allerdings nur, solange ausreichend Medikamente für die Patienten vorhanden seien.

    Deutsches Ärzteblatt vom 17. Januar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     
     

    Proteasehemmer erhöht die Triglyzeride und das HDL

    Studie ergab HDL-Anstieg um 35 Prozent mit Fosamprenavir bei HIV-infizierten Patienten / PROCAM-Score sollte für Therapiewahl genutzt werden.

    Der neue Proteasehemmer Fosamprenavir erhöht aktuellen Studiendaten zu Folge kaum das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen - zumindest nicht in einem Zeitraum von 120 Wochen. Auch die Häufigkeit der Lipoatrophie nimmt in diesem Zeitraum klinischen Untersuchungen zu Folge nicht zu.

    Fosamprenavir ist seit Juli vergangenen Jahres als Telzir® in Europa zugelassen. Die neue Substanz sei eine interessante neue Option für die Behandlung von noch unbehandelten und auch von antiretroviral vorbehandelten Patienten mit HIV-Infektion, folgert Dr. Stefan Mauss vom Zentrum für HIV und Hepatogastroenterologie in Düsseldorf aus Studienergebnissen, die im Herbst vergangenen Jahres publiziert wurden.

    Anstieg der Blutfettwerte auch mit geboosteter Substanz

    Der Einfluss der Proteasehemmer auf den Lipidstoffwechsel sei von Substanz zu Substanz unterschiedlich, sagte Professor Peter Reiss vom Academic Medical Center der Universität Amsterdam bei den Münchner AIDS-Tagen. Wie bei den meisten Proteasehemmern ist auch bei der Einnahme von geboostetem Fosamprenavir (FPV/rtv) ein Anstieg der Blutfettwerte beobachtet worden, vor allem der Triglyzeride, sagte Reiss bei einem Symposium des Unternehmens GlaxoSmithKline.

    Zugleich sei aber bei den Patienten im FPV/rtv-Arm der SOLO-Studie (Vergleichsarm: Nelfinavir, alle Patienten erhielten Abacavir plus Lamivudin) die mittlere Konzentration des HDL kontinuierlich angestiegen und habe nach 96 und 120 Wochen Behandlung um durchschnittlich 35 Prozent über den Ausgangswerten gelegen.
    Verhältnis der Triglyzeride zu HDL bleibt stabil

    Das Verhältnis der Triglyzeride zu HDL sei stabil geblieben und die antiretrovirale Wirksamkeit von Fosamprenavir/rtv unverändert gut. "Es ist möglich, dass eine Erhöhung des HDL bei einer Behandlung mit FPV/rtv die ungünstigen kardiovaskulären Effekte des ebenfalls unter der Therapie erhöhten LDL kompensieren könnte", kommentierte Mauss.

    Eine umfangreiche Auswertung der Daten über Fettstoffwechseländerungen in der SOLO-Studie läuft noch. Mauss empfahl, auch den international anerkannten PROCAM-Score zu Hilfe zu nehmen, um das individuelle kardiovaskuläre Risiko abschätzen und bei der Therapieempfehlung berücksichtigen zu können.

    Ärzte Zeitung vom 13. Januar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     

    «Geht HIV uns Ägypter etwas an?»

    Kairo will Bewusstsein für die Aids-Gefahr wecken.

    In Ägypten ist eine mehrmonatige Kampagne gegen die Verbreitung des HI-Virus im Gange. Kondome sind inzwischen leicht erhältlich, aber noch hindert die konservative Moral Ärzte und Religionsführer daran, sich allzu offen für «safer sex» auszusprechen.

    Im «On the Run», einem bei jungen Ägyptern der Oberschicht beliebten Restaurant an der Kairoer Umgehungsstrasse, liegen an der Kasse Kondome aus. Auch in den modern gestalteten Apotheken der Shopping-Malls, Treffpunkten vieler ägyptischer Jugendlicher, füllen die in allen Farben und Formen angebotenen «Tops» ganze Regale. Zwar werden Kondome seit langem in Ägypten hergestellt, aber bis anhin wurden sie nur auf Nachfrage hin aus den Apothekenschränken geholt. Sie galten höchstens als Mittel zur Geburtenkontrolle für Ehepaare. Die offene Präsentation verdeutlicht einen gewissen Sinneswandel, zumindest beim ägyptischen Gesundheitsministerium und bei den Nichtregierungsorganisationen, die sich mit der Verbreitung von Aids in Ägypten befassen. «Die Forderung nach ‹safer sex› wird zwar noch nicht laut ausgesprochen, doch das Angebot von Kondomen zielt im Grunde darauf hin», sagt Ashraf Azer, ein leitender Angestellter des Uno-Hochkommissariats für das Flüchtlingswesen (UNHCR), das sich an der Kampagne in Ägypten beteiligt, in Kairo.

    Religion als vermeintlicher Schutz

    Momentan hilft das UNHCR, die seit Dezember laufende und bisher größte Kampagne gegen die Verbreitung des tödlichen Virus nicht nur in Kairo, sondern auch in Alexandria und den oberägyptischen Städten Minya und Assiut zu organisieren. Besonders erfolgreich war ein Anti-Aids- Konzert im Azhar-Park bei der Kairoer Altstadt. Erstaunlich viele Jugendliche und auch Familien fanden sich ein. Zwar waren sie vornehmlich wegen der Gesangstars Simone und Khalid Selim gekommen, doch hörten sie sich auch interessiert die aufklärerischen Kommentare zwischen den Liedern an. Zwei kleine Filme zeigten, auf welche Weise man Aids bekommen kann und welche Kontakte mit Aids-Kranken ungefährlich sind.

    «Die ägyptische Bevölkerung, auch die junge, ist sich über die Ansteckungsgefahr nicht im Klaren», meint Azer. Entsprechende Fragen an Studenten, egal ob sie an einer staatlichen Universität oder der exklusiven American University Cairo immatrikuliert sind, bestätigen Azers Einschätzung: «Gefahr droht nur Prostituierten oder Homosexuellen, und die haben wir in Ägypten zum Glück nicht», meint Mohammed. «Geht uns HIV wirklich etwas an?», fragt Rana die Berichterstatterin provokativ und sagt dann: «Der Islam und unsere Moral schützen uns doch vor der schlimmen Krankheit.» «Gefahr droht auf öffentlichen Toiletten. Außerdem sollte man einem Aids-Kranken nie die Hand geben», erklärt Mariam.

    Das Dilemma sei, dass in Ägypten die wichtigen Risikofaktoren für Aids, also ausser- oder vorehelicher Sex, Drogenkonsum und Homosexualität, Tabuthemen seien, fasst Azer zusammen. Und deshalb sei es fast unmöglich, jemandem direkt zu raten, ein Kondom zu benutzen, falls er eben doch untreu werde. Positiv habe sich hingegen die rigorose Kontrolle von Spenderblut ausgewirkt. Vor wenigen Jahren seien 24 Prozent der Infektionen im Spital aufgetreten. Dieses Problem sei heute dank der verbesserten Hygiene praktisch gelöst, sagt Azer.

    Viele Neuinfektionen

    Eine kürzlich durchgeführte Konferenz von religiösen Führern der Region zum Thema Aids zeigt, dass sich auch bei der moralischen Argumentation etwas tut. Während früher der Ratschlag von Priestern und Sheikhs schlicht «Abstinenz und Treue» lautete und Aids als Strafe Gottes für Fehlverhalten angesehen wurde, scheinen sich nun immer mehr religiöse Führer für eine Bekämpfung der Seuche und Mitgefühl mit Erkrankten auszusprechen. Das wiederum spiegle die allgemeine Haltungsänderung wider, meint Ägyptens Sprecher des Aids-Programms der Vereinten Nationen (Unaids), Nasr Sayyed. So würden heute die meisten HIV-Patienten nicht mehr wie früher von ihren Familien gemieden, sondern daheim versorgt.

    Grund für das große Interesse des religiösen Establishments an Aids seien hingegen die besorgniserregenden Zahlen, welche in Ägypten seit Dezember die Runde machten, fährt Sayyed fort. Zwar stellten die arabischen Länder die am wenigsten von Aids betroffene Region der Welt dar, doch habe die Zahl der Neuinfektionen am Nil in den letzten beiden Jahren um 28 Prozent zugenommen. Ägyptens Gesundheitsministerium beziffert die Zahl der infizierten Einwohner des Landes auf 1500; nach Schätzungen von Unaids gibt es hingegen 8000 Aids-Fälle unter den 74 Millionen Ägyptern. Auch dies sei im Vergleich mit Schwarzafrika noch eine äußerst geringe Anzahl, erklärt Sayyed. Doch habe Ägypten durchaus das Potenzial, ein stärker betroffenes Land zu werden.

    Gefahr droht nicht nur durch den Mangel an Aufklärung, sondern auch durch die sexuelle Aktivität der Ägypter. Anders als von ihnen selbst behauptet, sind vor- und außerehelicher Sex, Homosexualität und Prostitution verbreitet. Weitere Gefahrenherde sind der wachsende Tourismus und der Zustrom von Flüchtlingen aus Schwarzafrika, wo im Schnitt 25-mal mehr Menschen als in der arabischen Welt infiziert sind.

    Neue Zürcher Zeitung vom 12. Januar 2005Inhaltsverzeichnis



     
     
     
     
     
     
     

    Afrikanische Holzfällercamps als Aids-Herd

    Neben ökologischen auch soziale Schäden der forcierten Entwaldung.

    Umweltschützer beklagen seit langem die fortschreitende Abholzung der zentralafrikanischen Regenwälder. Standen bisher ökologische Argumente im Vordergrund, so werden zunehmend auch negative soziale und ökonomische Konsequenzen deutlich.

    hfl. In Zentralafrika gehen kommerzieller Holzschlag und Korruption häufig Hand in Hand. Die Konzessionsgebühren verschwinden in Privatschatullen, und die lokale Bevölkerung, die bisher von den Ressourcen des Regenwalds lebte, verarmt weiter. Gegner des kommerziellen Holzschlags haben bisher vor allem auf ökologische Folgen der Entwaldung aufmerksam gemacht: vom Verlust der Artenvielfalt über die Erosion der Böden bis zur Klimaveränderung. Jetzt gibt es Hinweise auf zusätzliche, soziale Schäden. Der Holzschlag zerstört laut einer anthropologischen und medizinischen Studie aus Kamerun gesellschaftliche Strukturen, treibt Frauen in die Prostitution und fördert die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten, insbesondere von Aids.

    Prostitution im Urwald

    Eine Gruppe von kamerunischen und französischen Wissenschaftern hat in der Ostprovinz des zentralafrikanischen Staates die erwachsene Bevölkerung in einem Holzschlaggebiet auf HIV untersucht und gleichzeitig zu eruieren versucht, wie die Infektionen zustande gekommen waren. In der Region um die drei Dörfer Nkonzhu, Mboumo und Kompia wird intensiv Tropenholz geschlagen und in einem nahe gelegenen Sägewerk verarbeitet. Ungefähr 200 Männer sind bei diesen Tätigkeiten beschäftigt. Die Bevölkerung der zirka 250 Kilometer von der Hauptstadt Yaoundé entfernt liegenden Weiler hat sich seit dem Beginn der Holzfällerarbeiten vor zehn Jahren mehr als verdoppelt.

    Während die Durchseuchung mit HIV bei den Männern in der lokalen Bevölkerung je nach Altersgruppe zwischen 1,4 und 6,0 Prozent lag, war die Infektionshäufigkeit bei den Frauen drei- bis fünfmal so hoch. Im Mittel war jede zehnte Frau infiziert, bei den jungen Frauen sogar jede vierte. Dies ist nahezu dreimal so viel wie die Häufigkeit von HIV-Infektionen bei Frauen im übrigen Kamerun. Auch Syphilis ist in der Nähe des Holzfällercamps dreimal häufiger als bei Frauen in anderen Landesteilen.

    Starke Durchseuchung

    Für die erschreckend hohe Infektionsrate der Frauen zwischen 25 und 34 Jahren fanden die Forscher nur eine plausible Erklärung: Die allein lebenden Holzfäller und Sägewerkarbeiter hatten großen Drang nach sexueller Betätigung. Die jungen Frauen aus der Umgebung boten Sex gegen Geld oder Lebensmittel. Im Holzfällercamp selbst lebten vierzig Prostituierte. Und wenn alle zwei Wochen die Löhne ausgezahlt wurden, kamen weitere hundert Frauen in das Lager. Da die Arbeiter für die Verhältnisse in Kamerun nahezu fürstliche Löhne erhalten (umgerechnet zwischen 60 und 530 Dollar im Monat), konnten sie sich bei einem Preis von 1,5 Dollar pro Besuch bei einer Prostituierten gleich mehrere Frauen pro Nacht leisten.

    Bei einem Jahreseinkommen in den Dörfern von 20 bis 30 Dollar pro Kopf sind die 3 oder 5 Dollar, die eine Frau pro Nacht verdienen kann, ein kleines Vermögen. Kondome, die die Frauen vor Aids, Syphilis und anderen Geschlechtskrankheiten schützen würden, sind zwar in Kamerun überall zu haben. Die Freier verlangen jedoch nahezu immer ungeschützten Sex, in der Annahme, dass Geschlechtsverkehr ohne Kondom ein größeres Vergnügen bereite und den Orgasmus verstärke.

    Drohende Weiterverbreitung

    Andere Faktoren, die die hohe Anfälligkeit von jungen Frauen für Geschlechtskrankheiten in der Nähe des Holzeinschlaggebiets hätten erklären können, wie beispielsweise Bluttransfusionen und die Benutzung verunreinigter Spritzen, konnten die Forscher ausschließen. Dagegen fand sich ein weiteres Indiz dafür, dass hohe Promiskuität für die Ausbreitung der HIV-Infektion verantwortlich war: Die isolierten Virusstämme waren genetisch ausgesprochen unterschiedlich. Dies spricht dafür, dass die Erreger nicht aus einer Quelle stammten, sondern von zahlreichen Personen.

    Immer wenn sich in Zentralafrika allein stehende Männer in Camps einfinden, sei es als Gold- oder Diamantensucher oder für den Holzschlag, werden bestehende soziale Strukturen zerstört und entwickelt sich rasch ein florierendes Geschäft mit Sexdienstleistungen. Bedingt durch die meistenorts dominierende Position der Männer können sich die Frauen nicht gegen Sexualpraktiken wehren, die sie einem hohen Risiko von Geschlechtskrankheiten aussetzen. Da die Verhältnisse im Osten von Kamerun für die unzähligen Holzfällercamps in Zentralafrika symptomatisch sind, ist die Ausbreitung von Aids in bisher von der Seuche noch verschonten Regionen durch kommerzielle Abholzung eine ernst zu nehmende Gefahr.

    Emerging Infectious Diseases 2004, Bd. 10, Nr. 11, S. 1953-1956;

    Neue Zürcher Zeitung vom 8. Januar 2005
     
     
     
     
     

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